Ende des Kursverfalls nicht absehbar
EM.TV: Wertpapieraufsicht leitet Untersuchung ein

Nach den Kursturbulenzen bei der krisengeschüttelten EM.TV & Merchandising AG will das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) nun die Kursbewegungen untersuchen. Das Amt analysiere vor allem den Handelsverlauf vor der am Freitag von EM.TV bekannt gegebenen Gewinnwarnung, sagte ein BAWe-Sprecher am Mittwoch. Es handele sich aber nicht um eine formelle Prüfung.

Reuters FRANKFURT. Die EM.TV-Aktien setzten derweil ihre Talfahrt auch am heutigen Donnerstag weiter fort und und gaben im frühen Handle um weitere 8,48 Prozent auf 5,72 Euro nach.

Danach drehte die Aktie jedoch ins Plus und verzeichnete bis gegen 11.40 ein Plus von 11,20 % auf 6,95 Euro..

EM.TV-Chef Thomas Haffa gestand in einem Interview ein, Fehler gemacht zu haben. Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar zu drohenden Buchverlusten eines ihrer Fonds durch den EM.TV-Kursverfall ab.

Der Münchener Filmrechtehändler hatte am Freitagabend nach Börsenschluss seine Gewinnprognosen für das Jahr 2000 auf 50 Mill. DM von zuvor 525 Mill. DM nach unten korrigiert. Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung hatten den EM.TV-Kurs aber schon in den Tagen davor massiv einbrechen lassen. Das BAWe analysiert nun, ob es einen Verdacht auf Insiderhandel gibt. "Wir werden eine Analyse erstellen", sagte der Sprecher. "Wir haben noch keine konkrete Anhaltspunkte, dass irgendetwas los war, aber die Geschichte schlägt solche Wellen, der Kurs ist so dramatisch gefallen, und so viele Investoren haben Geld verloren, dass wir auf Nummer sicher gehen."



Hier der 3-Monatsverlauf

Ein EM.TV-Sprecher sagte, es sei ein normaler Vorgang, wenn sich das BAWe den Kursverlauf vor einer Gewinnwarnung anschaue. Auf die Frage, ob es irgendwelche Anhaltspunkte für Insiderhandel gebe, sagte er: "Nicht soweit wir das sehen".

Anfang der Woche hatte die Kirch-Gruppe ihren Einstieg bei EM.TV bekannt gegeben. Der Medienkonzern wird 16,74 % der Anteile und mit 25,1 % der Stimmrechte eine Sperrminorität bei EM.TV halten.

Bodenbildung lässt auf sich warten

Am Neuen Markt sehen die Händler kein Ende der Verkäufe von EM.TV-Aktien. Durch die vielen negativen Meldungen hätten die Investoren das Vertrauen in EM.TV verloren und trennten sich nun von noch vorhandenen Beständen, sagte ein Händler. Die Titel gehörten erneut zu den zehn am meisten gehandelten Aktien auf Xetra. "Der Abwärtstrend der Aktien ist noch nicht abgeschlossen", sagte Ludwig Gutmann, technischer Analyst der Bayerischen Landesbank. Eine Bodenbildung der EM.TV-Aktien sei noch nicht auszumachen.

Der in die Kritik geratene EM.TV-Chef Thomas Haffa gab in einem Interview mit dem Magazin "Focus Money" erstmals Fehler zu. "Wir haben Fehler gemacht. Wir haben auch die Aufgabe, die Zahlen in einem internationalen Konzern zu konsolidieren, eindeutig unterschätzt", sagte er. Auf der Pressekonferenz am Montag hatte er noch erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen. Zu der Ankündigung von Aktionärsvereinigungen und Anwälten, Klagen gegen EM.TV zu prüfen, sagte Haffa, er halte Klagen durchaus für möglich. Bisher seien aber noch keine eingegangen.

Haffa kündigte außerdem an, alle Beteiligungen von EM.TV auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden unser Augenmerk in nächster Zeit stärker auf die Kostenseite legen. Die Frage ist: Welche Beteiligungen und Aktivitäten bringen guten Profit?". Bei der US-Tochter und Muppets-Produzenten Jim Henson, die von April bis September einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 8,4 Mill. DM erzielt hatte, rechnet Haffa jedoch bald mit Gewinnen. Beim Internetprojekt JuniorWeb erwarte er in der nächsten Zeit einen Abschluss mit einem großen Partner.

Spekulationen um Fonds der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank lehnte einen Kommentar zu Spekulationen ab, wonach einem Fonds ihrer Tochtergesellschaft Morgan Grenfell auf EM.TV-Aktien Buchverluste von umgerechnet bis zu 900 Mill. DM drohen. Ein Sprecher bestätigte nur, die Bank sei im März für den Verkauf ihres 12,5-prozentigen Formel-Eins-Anteils an EM.TV nicht in bar bezahlt worden, sondern habe EM.TV-Aktien im Wert von 450 Mill. $ erhalten. Diese Aktien würden nicht direkt von der Deutschen Bank gehalten, sondern von der Londoner Tochtergesellschaft Private Equity in dem Fonds Deutsche European Partners IV LP für Institutionelle Anleger verwaltet.

In Finanzkreisen wird davon ausgegangen, dass der Fonds die EM.TV-Aktien zu einem Kurs von rund 100 Euro erhalten hatte. Damit dürfte das Paket nach den dramatischen Kursverlusten der vergangenen Monate bei EM.TV zu jetzigen Kursen weniger als 40 Mill. $ wert sein.

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