Endgültiges Aus auch für Mülheim-Kärlich
Aus für AKW Stade kostet Milliarden

Die für 2003 geplante Stilllegung des Atomkraftwerks wird bis zu 1,3 Mrd. DM kosten und etwa zwölf Jahre dauern. Zur Deckung der Kosten wurden nach Angaben des Betreibers Eon vom Dienstag bereits Rücklagen gebildet.

ap DÜSSELDORF/ESSEN. Stade ist das erste Kernkraftwerk, das nach den Energiekonsensgesprächen ausgeschaltet werden soll. Umweltminister Jürgen Trittin begrüßte die Entscheidung. Der Atommeiler Mülheim-Kärlich, der seit 1988 nicht mehr in Betrieb ist, wird ebenfalls endgültig aufgegeben, wie der Eon-Konkurrent RWE mitteilte. Sowohl Eon als auch RWE kündigten angesichts von Überkapazitäten an Strom die Stilllegung herkömmlicher Kraftwerke an.

Eon will nach Worten einer Sprecherin mit der Stilllegung des Reaktors Stade 2003 - ein Jahr früher als im Atomkonsens vereinbart - beginnen, falls bis dahin die Genehmigung vorliegt. Geplant sei der Rückbau der Anlage und nicht eine Beton-Verschalung, hieß es; etwa die Hälfte der 305 Mitarbeiter könne dann zunächst weiter beschäftigt werden. Eon hatte am Montag angekündigt, dass der Konzern insgesamt fast ein Sechstel seiner Stromerzeugungskapazität - rund 4 800 Megawatt ihrer 30 000 Megawatt installierten Kraftwerksleistung - aufgeben werde. Bereits ab dem Jahr 2001 beginne man mit der Stilllegung herkömmlicher Kraftwerke, hieß es.

Trittin sprach von einem ersten Erfolg der von der Bundesregierung eingeleiteten Energiewende. "Der Atomkonsens entfaltet die erhoffte Wirkung", erklärte er in Berlin. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller warnte die Stromkonzerne davor, mit dem Auslaufen der Kernenergienutzung in Zukunft verstärkt Strom aus dem Ausland einzuführen, statt auf einen Energiemix aus Stein- und Braunkohle sowie erneuerbaren Energien und Kraft-Wärme-Koppelung zu setzen. Die Unternehmen müssten Eigenverantwortung zeigen, sagte Müller bei einem Kongress der Großkraftwerksbetreiber in Düsseldorf.

Die Stilllegung von Eon-Kraftwerken betrifft insgesamt 1 500 Beschäftigte. Bei RWE, das bis 2004 überschüssige Stromkapazitäten von rund 5 000 Megawatt abbauen will, sind etwa 180 Mitarbeiter betroffen. Ihnen sollten an anderen Standorten neue Aufgaben angeboten werden, hieß es. Die ÖTV warnte vor Arbeitsplatzverlusten beim Abbau von Kraftwerken und rief die Unternehmen auf, dem mit einem Energiekonzept entgegenzuwirken.





Sonderstatus für Mülheim-Kärlich



Zum endgültigen Aus für Mülheim-Kärlich erklärte RWE, die Stilllegung erfolge "entsprechend der im Sommer zwischen der Bundesregierung und den Kernkraftwerksbetreibern getroffenen Verständigung". Der umstrittene 1 300-Megawatt-Reaktor nahm in den Energiekonsensgesprächen im Sommer einen Sonderstatus ein: Vereinbart wurde schließlich der Abriss der Anlage, außerdem verzichtete RWE auf Schadenersatzansprüche an Rheinland-Pfalz. Dafür kann der Konzern 107,25 Terawattstunden Strom, die in Mülheim-Kärlich nun nicht produziert werden, auf andere Kernkraftwerke übertragen.

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