Endspurt auf die Schnäppchen im schwimmenden Supermarkt
Das Ende der Butterschiffe

"Billiger als in Polen". Mit diesem Slogan lockt die Adler-Reederei (Sylt) jährlich rund eine Million meist ältere Menschen auf ihre Schiffe im Stettiner Haff, auf Oder und Elbe. Die Routen führen durch eine wunderbare Landschaft. Doch die meisten Passagiere haben dafür keinen Blick. Sie stürmen den Supermarkt im Bauch der Butterschiffe. In den Duty-Free-Shops bekommen sie zoll- und steuerfreie Waren.

HB NEUBRANDENBURG. Aber nur noch wenige Tage lang: Mit dem Beitritt Polens und Tschechiens zur EU ist an der Grenze zu diesen Ländern das zollfreie Einkaufen nicht mehr erlaubt. "Good bye Duty-Free-Shopping" heißt es deshalb am 30. April auf der letzten Tour des Adler- Konkurrenten, der Reederei Peters.

Rund 400 Passagiere, vorwiegend Senioren, drängeln sich wenige Tage vor dem Duty-free-Ende auf der "Adler-Queen". In der Frühlingssonne startet das Schiff im nordbrandenburgischen Gartz, schippert auf der Oder entlang, hält zwei Mal am "Grenzabfertigungspunkt Gryfino" und wird auf der Rückfahrt zum Supermarkt. Aus fast jedem Einkaufsbeutel lugen eine Stange Zigaretten und mindestens eine Flasche Alkohol.

Aus dem nahen Schwedt kam Gisela Starke. Einmal pro Woche ist sie auf der "Adler-Queen" dabei. "Ich habe vor allem Zigaretten gekauft, da kann man eine Menge sparen", sagt die 65-Jährige. Eine Stange Zigaretten kostet im Bordshop rund neun Euro. Über das Aus für den zollfreien Einkauf auf der Oder sei sie traurig. Andere Passagiere stimmen dem nicht zu. "Mir ist es egal, ob es auf dem Schiff einen Supermarkt gibt", meint ein 70-Jähriger aus Potsdam. "Die Landschaft ist eine Perle. Ich brauche weder Alkohol noch Tabak."

Auf solche Kunden hoffen die Reeder nun. Statt Einkaufsfahrten wollen sie Ausflüge anbieten. Der Haken: Die Passagiere müssen nicht nur auf die Schnäppchen an Bord verzichten, sondern auch für den Schiffstrip deutlich mehr zahlen. Die bisherigen Preise für die Touren lagen zwischen einem Cent und 1,50 ?. Es gibt aber ein noch größeres Problem: "Wir wissen noch nicht, ob wir am 1. Mai an den polnischen Häfen anlegen dürfen", sagt Inge Bocklage, Betriebsleiterin der Insel- und Halligreederei, einer Adler-Tochter.

Auch die Reederei Peters hat für die Zeit nach dem 1. Mai nur vage Pläne. "Keiner weiß, was wird", sagt eine Ticketverkäuferin. Eventuell fahre ein Schiff als Ausflugsschiff weiter. Dennoch habe der Chef alle Mitarbeiter beim Arbeitsamt angemeldet. Auch Bocklage hat von 250 Mitarbeitern nahezu alle entlassen. Auf Oder und Elbe fahren ab Mai keine Adler-Schiffe mehr; auf dem Stettiner Haff und vor Usedom will die Reederei Ausflugsfahrten testen.

Keine Sorgen mit dem Ende des Zollfrei-Einkaufs hat hingegen der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschifffahrt, Michael Lohnherr. "Bei uns gehen Null Arbeitsplätze verloren." 30 000 Passagiere zählte die Duty-Free-Linie Königstein-Decin jährlich. Die Mehrzahl der Gäste komme nicht wegen der Einkaufsmöglichkeiten an Bord. "Sie wollen auf einem historischen Dampfer sitzen und die Landschaft genießen."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%