Endspurt der beiden Kandidaten
US-Wahl spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr

In den jüngsten Umfragen liefern sich die beiden Kandidaten Bush und Gore ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beide versuchen mit einem Auftrittmarathon, noch Wählerstimmen auf ihre Seite zu bringen.

ap WASHINGTON. Hochspannung wenige Stunden vor den US-Wahlen: In den jüngsten Umfragen liefern sich die beiden Präsidentschaftskandidaten Al Gore und George W. Bush weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen; der Ausgang der Wahl am (morgigen) Dienstag ist so offen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die beiden Rivalen versuchen mit einem Auftrittmarathon in den besonders umkämpften Schlüsselstaaten, noch Unentschlossene und Wechselwähler auf ihre Seite zu bringen. Wegen der Besonderheiten des amerikanischen Wahlsystems ist es für die Kandidaten von entscheidender Bedeutung, die bevölkerungsreichen Staaten mit ihrer entsprechend hohen Zahl von Wahlmännerstimmen zu gewinnen.

Der Republikaner Bush kann den jüngsten Prognosen zufolge mit dem Sieg in 26 Staaten und mit 225 Wahlmännerstimmen rechnen. Gore dagegen hat 15 Staaten plus die Hauptstadt Washington hinter sich, was ihm 241 Wahlmännerstimmen bescheren würde. Insgesamt werden 538 Wahlmännerstimmen vergeben, für einen Sieg werden mindestens 270 davon benötigt.

Nader zwischen drei und fünf Prozent

Bush hat allerdings ein dickeres Polster als sein Gegner: Bei den 241 Wahlmännerstimmen, die Gore in den Prognosen zugeschlagen wurden, sind diejenigen aus den Staaten Pennsylvania, Michigan, Minnesota und Wisconsin bereits enthalten, aber gerade dort hat Bush zuletzt stark aufgeholt. Erschwerend kommt für Gore hinzu, dass der Kandidat der Grünen, Ralph Nader, in Umfragen zwischen drei und fünf Prozent Zustimmung erhält - Stimmen, die eher aus dem Wählerpotenzial des liberalen Demokraten kommen als aus demjenigen des konservativen Republikaners.

Die Präsidentschaftswahl wird durch Wahlmännerstimmen entschieden. Jedem Staat steht - je nach Bevölkerungsgröße - eine gewisse Zahl von Wahlmännern zu. Der Kandidat, der in einem Staat die Mehrheit gewinnt, erhält alle Wahlmännerstimmen dieses Staates zugesprochen, sein Gegner dagegen geht leer aus. Den bisherigen Umfragen zufolge könnte es durchaus passieren, dass Bush zwar landesweit mehr Stimmen erhält als Gore, dieser aber mehr Wahlmännerstimmen auf sich vereinigt und siegt. In der US-Geschichte passierte dies bislang drei Mal, zuletzt 1888.

Die letzten Stunden vor der Wahl wollten beide Kandidaten praktisch pausenlos unterwegs sein. Gore plante einen 30-Stunden-Marathon, der am Montag mit einem Frühstück bei Arbeitern in Iowa beginnen und am Dienstag in seinem Heimatstaat Tennessee enden sollte, wo er dann wählen geht. Bush wollte seine Auftritte am Montag in Tennessee beginnen und dann weiter über Wisconsin, Iowa und Arkansas nach Texas reisen, um dort seine Stimme abzugeben.

Wahlen zum Kongress

Bei der Wahl am Dienstag entscheiden die Wähler in den USA auch über die Zusammensetzung des Kongresses. Zu wählen sind alle 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses und 34 der 100 Senatoren. In beiden Häusern des Kongresses haben die Republikaner derzeit die Mehrheit. Die Demokraten hoffen, die Mehrheit zumindest in einer Kammer zurückerobern zu können. Gewählt werden außerdem elf von 50 Gouverneuren (Ministerpräsidenten) der Einzelstaaten.

Auf besonderes Interesse stößt die Kongresswahl im Staat New York, wo sich Hillary Clinton, die Frau von Präsident Bill Clinton, um einen Sitz im US-Senat bewirbt. In jüngsten Umfragen lag die First Lady zwischen vier und sieben Prozent vor ihrem republikanischen Gegner Rick Lazio.



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