Endspurt im US-Wahlkampf
(K)eine Frage der Hautfarbe

Hillary Clintons Chefstratege Mark Penn irrte sich gewaltig, als er Barack Obama kurzerhand in die Schublade "traditioneller schwarzer Politiker" steckte. Obama ist schwarz - und auch wieder nicht. Und genau das könnte ihm bei der Präsidentschaftswahl den Sieg bringen.

WASHINGTON. Das Memo des Chefstrategen von Hillary Clinton datiert vom 19. März 2007. Es ist ein grandioses Zeugnis der Überheblichkeit. "Seine Wurzeln in amerikanischen Werten und amerikanischer Kultur sind bestenfalls begrenzt", schreibt Mark Penn in einer E-Mail an die Spitzen der Clinton-Kampagne über Barack Obama. Und: "Die Rechte weiß, dass Obama unwählbar ist." Mit einer Kandidatur wie der von Obama solle sich Amerika noch etwas Zeit lassen. "Sparen wir es uns auf bis zum Jahr 2050."

Eineinhalb Jahre später ist nicht nur klar, wie grundfalsch Mark Penn damals lag. Denn Obama in die Schublade "traditioneller schwarzer Politiker" einzusortieren war vielleicht einer der schwersten Anfangsfehler in der Kampagne von Hillary Clinton. Die Tatsache, dass Penns Worte heute undenkbar wären, zeigt aber vielmehr, wie sehr schon die Kandidatur von Obama die USA verändert hat. Denn mit dem Aufstieg Obamas mussten all jene, die schwarzen Politikern per se jegliche Siegchancen abgesprochen hatten, ihre Meinung revidieren.

Die lange Zeit so bequeme These, dass die Afroamerikaner aus ihrem politischen und gesellschaftlichen Ghetto nie herauskommen würden, hat Obama mit seinem Erfolg über Hillary Clinton und mit der demokratischen Nominierung widerlegt. Allerdings: Dies gelang nur, weil er so gut wie alles anders gemacht hat als seine politischen Vorgänger aus dem afroamerikanischen Lager. "Nicht erst im Jahr 2050 wäre die Chance, einen schwarzen Präsidenten zu wählen, definitiv vorbei. Denn die größte Minderheit in den USA werden schon bald die hispanischen Einwanderer sein", sagt Juan Williams, Journalist beim Radiosender NPR und einer der wenigen afroamerikanischen Reporter, die es in die sonntäglichen Fernsehtalkshows geschafft haben.

Mit dieser Ansicht steht Williams nicht alleine. Viele Beobachter rechnen damit, dass mit den einschneidenden demografischen Verschiebungen in den USA auch ein enormer gesellschaftlicher Wandel bevorsteht - nicht unbedingt zum Vorteil der schwarzen Bevölkerung. Sollte deshalb Barack Obama der 44. Präsident der USA werden, dann hat er eine Gelegenheit genutzt, die so schnell nicht wiederkehren dürfte.

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