Endspurt
Kommentar: Jetzt schlägt die Stunde der Kleinen

Millionen Zuschauer hängen an den Lippen der Kandidaten, hören ihre Argumente, sehen ihre Krawatten und hadern dennoch mit einer Entscheidung. Zwölf Tage vor dem Stichtag gelten 20 Prozent der Wahlberechtigten immer noch als unentschlossen.

Jeder fünfte Bürger stellt sich offensichtlich die Frage, ob er trotz Edmund Stoiber CDU wählen oder wegen Gerhard Schröder SPD bevorzugen soll. Selten zuvor lagen die Popularitätswerte der Spitzenkandidaten und ihrer Parteien so weit auseinander wie bei dieser Wahl.

Dennoch müssen die Kleinen kaum befürchten, im lauten Kampf der Großen unterzugehen. Zwischen Schröder und Stoiber, zwischen SPD und Union ist alles offen - die Gewichte pendeln sich aus. Entscheidend wird also wieder einmal das Zünglein an der Waage sein. Nach dem Rummel um die TV-Duelle der Großen schlägt jetzt im Endspurt die Stunde der Kleinen.

Doch auch hier droht ein Patt: Die Grünen holen auf und werben in einer stillen, aber nicht zu unterschätzenden Zweitstimmenkampgane für ihren Platz an der Öko-Sonne.

Diese traditionelle und wichtige Chance der kleinen Parteien kann die FDP in diesem Wahlkampf nicht ergreifen: Als "neue Volkspartei" mit 18-Prozent-Ziel, eigenem Kanzlerkandidat und offener Koalitionsaussage kann man schlecht um Zweitstimmen werben - wo denn auch?

Der trickreiche FDP-Altmeister Hans Dietrich Genscher malt deshalb schon die Gefahr einer großen Koalition an die Wand, um den Liberalen wenigstens auf diese Weise Stimmen zuzutreiben. Auch Edmund Stoiber baut goldene Brücken zur FDP, aber Guido Westerwelle bleibt standhaft unentschieden. Noch liegen die Liberalen klar vor den Grünen, aber der Abstand schrumpft. Die FDP sollte zumindest eine Koalitionspräferenz erkennen lassen, sonst entscheidet am Ende noch das hässliche kleine Entlein PDS.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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