Energie-Aktien
Nach dem Fall von Enron wackelt die Branche

Gegen Ende des Jahres waren an der Wall Street alle Augen auf die Energieproduzenten und -händler gerichtet.

Gegen Ende des Jahres waren an der Wall Street alle Augen auf die Energieproduzenten und-händler gerichtet. Und das lag nicht allein daran, dass beim ehemaligen Branchenriesen Enron das Licht ausging. Während die Konkurrenz im Sektor feixte und überlegte, wer von der Pleite des Wettbewerbers am meisten profitieren und dann als Sieger aus der Krise hervorgehen könnte, machten sich Analysten und Anleger daran, bei immer mehr Unternehmen die Schalter auf "Aus" zu stellen.

Zum Jahresende gibt es um Enron noch haufenweise Spekulationen, aber kein Licht am Ende des Tunnels. Nach dem gescheiterten Dynegy-Deal hatten sich die Citigroup und die Schweizer Großbank UBS Warburg um eine Übernahme bemüht, JP Morgan gab entsprechende Pläne auf und erwog eine Klage gegen den Schuldner. Konkurrenten wie Dynegy, Williams, Calpine und El Paso rieben sich die Hände und hoffte, aus der Konkursmasse 61.000 Kilometer Pipeline und 28.000 Kunden übernehmen zu können. Jetzt reiben sie sich immer noch die Hände - allerdings weil es frostig geworden ist auf dem Energiemarkt.

Wenige Tage nach dem Aus für Enron umtrieben Gerüchte die Anleger, die Unternehmensstruktur von Calpine ähnle der von Enron fatal. Enrons Unternehmensstruktur war es letztlich, die zum Untergang des einstigen Branchenriesen geführt hatte. Der Konzern hatte sich über Tochterunternehmen in ein unüberschaubares Kredit-Wirrwarr verstrickt und war in den Fäden hängen geblieben. Calpine dementierte sofort, als Energieproduzent irgendetwas mit dem Geschäftmodell eines gescheiterten Händlers zu tun zu haben - allein: die Aktie von Calpine hat in den vergangenen zwei Wochen gut ein Viertel ihres Wertes verloren. Im Dezember ist Calpine - abgesehen von Enron - schwächster Performer im Sektor.

Kaum besser steht indes Dynegy da. Das Management hatte während der Übernahmeverhandlungen mit Enron die Zeit genutzt und sich aus vielen gemeinsamen Hedges zurückgezogen, für die man hätte gerade stehen müssen. Dynegys offene Positionen mit Enron beliefen sich zuletzt nur noch auf 75 Millionen Dollar. Auch andere Händler nutzten den Zeitpuffer. "Hätte Enron vor drei Wochen die Tätigkeit einstellen müssen, wäre das verheerend für den Markt gewesen", kommentiert Bryan Dutt, Portfolio-Manager bei Ironman Energy Capital in der Enron-Stadt Houston.

Die Nähe zu Enron hat Dynegy zuletzt aber doch Punkte gekostet. Die Aktien des Konzerns und Enron-Nachbarn aus Houston im US-Bundesstaat Texas haben seit dem Scheitern der Übernahme 35 Prozent verloren. Dennoch sieht sich das Unternehmen als aussichtsreichsten Kandidaten auf die freigewordene Position des Marktführers. Aber auch die Versorger Reliant Energy und Duke Energy rechnen sich für ihre Handelsabteilungen gute Chancen auf neue Marktanteile aus. Im Gasbereich gilt El Paso Corp. als gut positioniert. Schon jetzt gehört dem Unternehmen das größte Gaslager der USA.

Für die Energiehändler ist der Markt jedoch insgesamt schwieriger geworden. Um die notwendige Infrastruktur aufbauen zu können, benötigen sie Geldgeber. Doch den Investoren fehlt nach dem spektakulären Fall des einstigen Branchenprimus das Vertrauen in die Branche. Und sie werden künftig genauer wissen wollen, wie die Unternehmen ihr Geld verdienen.

Die Händler sind zudem abhängig von einem weitgehend deregulierten Markt, frei von Eingriffen von Staaten oder Kommunen. Doch in Enron haben die Liberalisierungsgegner einen neue Trumpfkarte gefunden. "Die Energiehändler müssen jetzt beweisen, dass sie ein besseres Modell haben, als die regulierten Versorger", so der Kommentar eines Analysten auf einer Trader-Konferenz im Dezember in Las Vegas. In vielen Bundesstaaten werden es sich die Politiker zweimal überlegen, ein so heikles Thema jetzt voranzutreiben.

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