Energie-Dienstleister ist ein solider Börsenwert
Techem schreitet mit Energie voran

Der Energie-Dienstleister Techem wärmt die Herzen der Anleger. Das Unternehmen gilt als eine reizvolle Kombination aus geringem Risiko und gesundem Ergebniswachstum. Einziger Wermutstropfen ist die aus einem Management-Buyout rührende relativ hohe Verschuldung.

FRANKFURT/M. Jedem vierten Mehrfamilienhaus-Bewohner ist die Firma Techem ein Begriff. Jedes Jahr kommt schließlich einer ihrer Angestellten in die Wohnung, um den Heizungszähler oder die Wasseruhr abzulesen. Die Kunden der Frankfurter Techem AG sind aber die Wohnungsbaugesellschaften und Hausverwaltungen - und davon hat sie mehr als 300 000 in der Kartei.

Jeder hat es in den eigenen vier Wänden gern warm - und darum lässt Techem-Vorstandschef Dieter Dannheimer der Konjunktureinbruch weitgehend kalt. Das Geschäft des im M-Dax notierten Unternehmens mag zwar auf den ersten Blick langweilig wirken, doch es ist wie kaum ein anderes von den Wirtschaftszyklen unabhängig.

Der deutsche Marktführer für die Erfassung von Wärme-, Wasser- und Energieverbrauch gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. In dem am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2000/2001 übertraf die Firma die eigenen Planziele für Umsatz und Ergebnis und auch im gerade begonnenen Geschäftsjahr rechnet Techem wieder mit einer zweistelligen Wachstumsrate.

Mitte der 50er-Jahre hat Unternehmensgründer Friedrich Ott die Idee der Heizkostenerfassung aus Dänemark importiert und sich patentieren lassen. Seither lief das Geschäft mit der Erfassung, Verteilung und Abrechnung von Energie und Wasser immer recht gut. Doch für große Investitionen in Innovation und Expansion langte es bei Techem lange nicht. Schließlich wollte ja die Familie des Firmengründers von den Ausschüttungen des Unternehmens leben.

Vor fünf Jahren entschloss sich die Unternehmerfamilie dann aber zu einem Einschnitt: Sie verkaufte die Mehrheit von Techem im Wege eines Management-Buyouts an den Finanzinvestor BC Partners, der das Unternehmen vier Jahre später an den Aktienmarkt brachte. Nach einer Zweitplatzierung von Aktien an der Börse ist BC Partners inzwischen planmäßig wieder ausgestiegen. Zu den Techem-Eignern gehören heute viele institutionelle Anleger, die sich mit dem soliden Papier eindeckten. Sie mussten es nicht bereuen: Obwohl sie auf dem Höhepunkt des Börsenbooms Anfang 2000 startete, liegt die Techem-Aktie heute noch immer deutlich über dem Kurs des ersten Handelstages.

Kerngeschäft soll ausgebaut werden

Wichtigster Umsatzträger von Techem bleiben jedoch die Dienstleistungen rund um die Erfassung und Abrechnung von Energie und Wasser. In diesem Kernbereich sehen die meisten Experten zwar das Wachstumspotenzial in Deutschland weitgehend ausgeschöpft. Aber Techem will das Geschäft mit den bestehenden Kunden durch den Einsatz höherwertiger Technik ausbauen. Statt etwa wie bisher an jedem Heizkörper einer Wohnung den Jahresverbrauch anhand eines Verdunstungsröhrchens abzulesen, will Techem die Verbrauchszähler künftig per Funk ablesen. Davon verspricht sich das Unternehmen steigende Margen.

Auch das Auslandsgeschäft will Techem weiter ausbauen - vor allem in Osteuropa. In Tschechien und der Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Polen ist Techem bereits aktiv. Der Auslandsanteil am Umsatz soll von aktuell etwa 10 % mittelfristig auf 20 % steigen. Bereits jetzt wächst das Kerngeschäft im Ausland um rund 20 % im Jahr.

Techem ist bereits Europa-Marktführer bei der Erfassung und Abrechnung von Energie und Wasser. Zweites Standbein soll das Energie- Contracting werden, die Belieferung von Wohn- und Geschäftsgebäuden mit Energie und deren Abrechnung.

Doch ein Klotz am Bein für das Unternehmen ist die Schuldenlast von 280 Mill. Euro aus dem Management-Buyout. Wie bei solchen Transaktionen üblich, hatten die Finanzinvestoren, die zusammen mit den Managern die Firma übernommen haben, beträchtliche Fremdmittel zur Finanzierung des Deals aufgenommen. Deshalb konnte Techem das Geld aus dem Börsengang kaum in die Expansion stecken, sondern musste es weitgehend für die Rückführung der massiven Nettoverschuldung verwenden.

Die Spuren des Management-Buyouts sind noch heute aus der Bilanz deutlich herauszulesen. Manche Investoren schreckt das immer noch. Doch Dannheimer fühlt sich als Dienstleister mit einer Eigenkapitalquote von 20 % sehr wohl.

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