Energie
Netzbetreiber bilden britisches Kraftpaket

Durch die Liberalisierung der britischen Energiemärkte ist auf der Insel mehr Wettbwerb eingekehrt. Vor allem Versorger aus dem Ausland wie EdF, RWE oder Eon bestimmen inzwischen die Geschicke der Branche. Nun bilden Lattice Group und National Grid einen neuen nationalen Energieriesen.

 

LONDON. In Großbritannien entsteht durch die Fusion von zwei Netzbetreibern einer der größten Energielieferanten in Europa. Noch in diesem Jahr wollen sich die National Grid plc sowie die Lattice Group plc zu einem Konzern mit einem Marktwert von knapp 15 Mrd. £ (knapp 25 Mrd. Euro) zusammenschließen. Damit könnte das neue Unternehmen als einziger britischer Energiekonzern im internationalen Wettbewerb ein Wörtchen mitreden.

Das neue Unternehmen mit dem Namen "National Grid Transco" wolle sich mit der Fusion vor allem für Übernahmen auf dem US-Markt rüsten, teilten beide Unternehmen am Montag in London mit. Bedenken der Wettbewerbsaufsicht würden nicht erwartet.

National Grid, das bereits in Amerika am Markt vertreten ist, betreibt in Großbritannien das Stromnetz in Wales und England, während Lattice über die Tochterfirma Transco alle britischen Gas-Pipelines gehören.

Die Lattice Group war vor zwei Jahren aus dem Ex-Monopolisten British Gas entstanden. National Grid war nach der Privatisierung der Strommärkte Anfang der 90er-Jahre gebildet worden. Während bei Energieproduktion und beim Endverkauf Wettbewerb in England herrscht, blieben die Netze jedoch in Monopol-Hand.

Die sehr frühe Öffnung der britischen Energiemärkte hat in den vergangenen Jahren vor allem ausländische Konzerne angelockt. Nachdem Energiekonzerne aus den USA oder der französische Monopolist Electricité de France (EdF) Versorger im Bereich Strom, Gas und Wasser übernommen hatten, greifen auch deutsche Konzerne in jüngster Zeit nach Unternehmn auf der Insel. Die Düsseldorfer Eon-Gruppe etwa will Powergen (Strom und Gas) übernehmen, RWE hat für Innogy (Gas) ein Kaufangebot gemacht.

Großbritannien ist nach Deutschland der zweitgrößte Gasmarkt und der drittgrößte Strommarkt in Europa. England gilt zudem für europäische Konzerne als Sprungbrett in die USA. Marktbeobachter in London hatten kritisiert, dass die Liberalisierung in Großbritannien eher zur Zerschlagung der eigenen Branche geführt habe und es an einem "nationalen Champion" im internationalen Wettbewerb fehle. Diese Lücke könne National Grid Transco nun durch seine Größe füllen.

National Grid macht bereits rund die Hälfte seines Umsatzes von rund 4 Mrd. £ in den USA und hat Aktivitäten in Südamerika, Europa und Australien. Mit Lattice verdoppelt sich der Umsatz fast. Firmenchef Roger Urwin erklärte, beide Firmen passten "geradezu perfekt" zusammen. Vor allem durch Effekte auf dem britischen Markt sei mit Einsparungen von 100 Mill. £ zum Ende des ersten Geschäftsjahres zu rechnen. Angaben über die Zahl der Stellenstreichungen machte Urwin nicht. Der neue Konzern hat zusammen 30 000 Mitarbeiter weltweit.

Die Börse in London reagierte überrascht und positiv auf die Fusionspläne. Der Kurs von Lattice legte fast 12 % zu, National Grid stieg um 3,5 %. Das neue Unternehmen hat einen Wert von 6,3 Mill. £. National Grid wird 57,3 % und Lattice 42,7 % an dem neuen Konzern halten. Der Zusammenschluss wird bargeldlos über einen Aktientausch vollzogen.

Durch den Zusammenschluss entstehe eine interessante Möglichkeit zur Anlage, so Analysten, zumal der neue Konzern im beiden Bereichen - Gas und Strom - Kosten senken könne. "Es scheint eine sinnvolle Annäherung", meinte Fondsmanager Stuart Fraser von Brewin Dolphin.

Allerdings sind beide britischen Versorger nicht ohne Problemfälle. National Grid ist mit dem Anbieter Energis auf den Telekommarkt ein-gestiegen und hat einen herben Wertverfall hinnehmen müssen. Auch die Expansion in Südamerika hat dem Stromnetzbetreiber Verluste beschert. Lattice war monatelang ohne Chef und musste von den britischen Aufsichtsbehörden ein hartes Preissystem akzeptieren.

Von ANDREAS HOFBAUER, Handelsblatt

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