Energiebörsen
Strompreise könnten dank Strombörsen weiter sinken

In den nächsten drei Jahren könnten bereits 15-20% des deutschen Stromverbrauchs über Börsen gehandelt werden, nach Einschätzungen des VDEW und der EEX wird aber auch langfristig gesehen kein Bedarf für mehrere Strombörsen bestehen.

ap FRANKFURT/MAIN. Die Strompreise könnten in Deutschland dank der neuen Strombörsen weiter sinken. Der Vorstand der gerade gestarteten European Energy Exchange (EEX), Hans Schweickardt, sagte am Mittwoch in Frankfurt am Main, zwar stünden die Kosten für den Endkunden nur in indirektem Zusammenhang mit dem Geschehen an den Börsen. Zu den gehandelten Preisen kämen beispielsweise noch Lieferkosten hinzu. Die durch die Handelsplätze geschaffene Transparenz dürfte aber Auswirkungen auf die Preise für die Industrie und Privathaushalte haben. Auch die Vereinigung Deutscher Elektrizitätswerke (VDEW) schloss sinkende Preise nicht aus. Stromerzeuger und Stromhändler könnten mit Hilfe der Handelsplätze ihre Produktion und Beschaffung optimieren und diese Kostenvorteile an die Kunden weitergeben, teilte der VDEW mit. Strombörsen sorgten für mehr Markteffizienz und Preistransparenz zu Gunsten aller Marktteilnehmer. Genaue Prognosen seien derzeit aber nicht möglich. In Ausnahmefällen seien auch steigende Preise vorstellbar.

Kein Platz für mehrere Strombörsen

Nach Einschätzung des VDEW und der EEX ist in Deutschland langfristig wohl kaum Platz für mehrere Strombörsen. VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller erklärte, er sei überzeugt, dass der Markt in Deutschland letztlich mit einer Energiebörse auskomme. Schweickardt sagte, für zwei oder drei Strombörsen sei in der Bundesrepublik kein Platz. Die EEX sei immer zu Gesprächen und Kooperationen bereit. Anfang des Jahres waren die Gespräche mit der Leipziger Strombörse LPX, die bereits Mitte Juni gestartet war, beendet worden. Derzeit stünden weitere Verhandlungen mit der LPX nicht auf der Tagesordnung, sagte Schweickardt. Zunächst brauche die EEX eine stabile Plattform. Nach Einschätzung des EEX-Vorstandes Christian Geyer wollen die Kunden wegen der Kosten möglichst viele Produkte an einem Handelsplatz und nicht eine Vielzahl von Börsen, die unterschiedliche Dienstleistungen anbieten.

Die EEX hat ehrgeizige Ziele

An der EEX, die zunächst mit einem Spotmarkt für den Stromhandel startete, wurden den Angaben zufolge am ersten Tag 12 223 Megawattstunden Strom gehandelt. Im Gegensatz zu der LPX bietet die Frankfurter Konkurrenz nach eigenen Angaben nicht nur eine tägliche Auktion an, sondern auch, ähnlich wie bei Aktien, den fortlaufenden Handel. Am Spotmarkt können einzelne Stunden aber auch Stromblöcke für Grund- und Spitzenlast gehandelt werden. Also für die Zeiten, in denen der Stromverbrauch besonders hoch oder besonders niedrig ist, wie in der Nacht.

Im vierten Quartal soll ein Terminmarkt folgen, bei dem sich die Marktteilnehmer mit Derivaten, beispielsweise Optionen und Futures, gegen Preisschwankungen absichern. Die EEX rechnet damit, dass in etwa drei Jahren 15 bis 20 % des deutschen Stromverbrauchs über Börsen gehandelt werden könnten. Zugleich setzt sich die EEX ehrgeizige Ziele für die Zukunft: So soll künftig auch Gas an der Börse gehandelt werden, wenn der Gasmarkt erst einmal liberalisiert ist.

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