Energiehandel soll Perle im Investment-Banking werden: UBS setzt große Hoffnungen auf Enron

Energiehandel soll Perle im Investment-Banking werden
UBS setzt große Hoffnungen auf Enron

Mit dem Kauf des Energiehandelsgeschäfts von Enron macht UBS Warburg in den USA einen Schritt nach vorne. Konzernchef Peter Wuffli hofft, die Investmentbank durch die Akquisition von dem Auf und Ab bei Wertpapieren unabhängiger zu machen. In der Vermögensverwaltung erwartet er eine Konzentration auf Top-Spieler.

FRANKFURT/M. Der Kauf des Energiehandelsgeschäfts des zahlungsunfähigen US-Konzerns Enron soll die Ertragsschwankungen der Investmentbank UBS Warburg verringern. Wie Peter A. Wuffli, Präsident der Konzernleitung der UBS AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt betont, wird mit dem jüngsten Schritt das Investment-Banking diversifiziert. Die Erträge im Energiegeschäft stünden in keiner Wechselbeziehung zur Entwicklung an den Wertpapiermärkten. Wuffli erhofft sich deutliche Ertragssteigerungen für UBS Warburg, da das Geschäft voll in das Risikosystem der Investmentbank integriert werde. "Risikoappetit und Ertragschancen können auch im Energiehandel gut gesteuert werden", versichert er.

Die Gefahr, in eine ähnliche Situation wie die bankrotte Enron zu geraten, sieht der UBS-Chef nicht. "Der Einstieg ins Energiehandelsgeschäft bedeutet keine Ausweitung des Risikoappetits", betont er. Handelskultur und Geschäft im Energiebereich seien stark verwandt mit dem bei Wertpapieren. Außerdem werde das Managementteam weitgehend gehalten. Die Zahl der Mitarbeiter werde rund 500 (heute: 800) betragen. UBS Warburg übernimmt gleichzeitig die elektronische Handelsplattform Enron Online und führt sie in eigener Regie weiter. Trotz der schlechten Erfahrungen der alten Handelspartner von Enron ist Wuffli überzeugt, dass es möglich ist, das Geschäft wieder hochzufahren. In sechs bis zwölf Monaten könne das alte Handelsniveau wieder erreicht werden. Nach Branchenschätzungen wurden rund ein Viertel des Erdgas- und Stromhandels über Enron abgewickelt. Der Energiehandel soll zunächst nur in den USA stattfinden.

UBS Warburg übernimmt das Handelsgeschäft, ohne direkt dafür zu bezahlen. Die Investmentbank hat einen Vertrag abgeschlossen, durch den Enron in den nächsten zehn Jahren mit 33 % am operativen Gewinn beteiligt wird. Im Jahr 2000 hätte dieser - sofern man Enrons Büchern vertrauen darf-- rund 750 Mill. $ ausgemacht. Nach drei Jahren kann UBS ein Drittel von Enrons Gewinnanteil zurückkaufen. Der Preis wird durch den im Vorjahr erzielten Ertrag bestimmt. In den beiden Folgejahren kann die Bank die restlichen zwei Drittel erwerben. Offene Positionen im Energiehandel übernehmen die Schweizer nicht. Sie werden schrittweise abgewickelt. Mit der Akquisition baut UBS Warburg das US-Handelsgeschäft aus. Dies ist ein strategisches Ziel der Bank. Bisher werden in den USA in erster Linie Wertpapiere und Derivate gehandelt.

Beim massiven Personalabbau in der Bankenbranche will der Präsident auch weiterhin nicht mitmachen. Wenn die Konjunktur im Jahresverlauf erwartungsgemäß leicht anziehe, könnten Entlassungen auch in Zukunft verhindert werden, betont Wuffli. Nach dem Kauf des Energiehandels von Enron seien keine weiteren größeren Akquistionen geplant. Neue Gefahren durch die sich weltweit verschlechternde Qualität der Kreditportfolios der Banken sieht er nicht. Hier agiere UBS sehr konservativ. Wuffli: "Alle Kredite von Unternehmen im internationalen Geschäft werden grundsätzlich abgesichert, wenn die Bonität unter der Ratingnote ?AA? liegt." Mit "AA" benoten Ratingagenturen Kredite, die eine gute Qualität haben. Von den großen Problemfällen der jüngsten Zeit sei UBS ohnehin nicht betroffen. Das Engagement bei Enron belaufe sich zwar auf 75 Mill. $, sei aber abgesichert. In Argentinien sei die Bank nicht nennenswert engagiert.

Das Geschäft mit wohlhabenden Privatkunden in der Vermögensverwaltung elektrisiert auch den UBS-Chef. Er geht von zweistelligen Wachstumsraten weltweit aus. Gleichzeitig stiegen die Ansprüche der Reichen. Die Verwalter bewerteten Anlageentscheidungen durch EDV-Einsatz zunehmend systematisch. Das sei teuer. Zudem würden die Gelder verstärkt international angelegt und fremde Investmentprodukte wie Fonds eingesetzt. Das werde zu einer Konzentration innerhalb der Branche führen. Denn durch Größeneffekte ließen sich Kosten sparen. Zu den Top-Spielern in der Vermögensverwaltung werden nach Einschätzung Wufflis Adressen wie HSBC, J.P. Morgan Chase sowie die beiden Schweizer UBS und die CS Gruppe gehören. Gleichwohl werde sich die Lage nie so zuspitzen wie im Investment-Banking. Hier konzentrieren die ersten zehn Banken den Löwenanteil des Geschäfts auf sich. Hierzu gehören etwa Goldman Sachs und UBS Warburg. "Im Private Banking wird immer Raum für kleine Anbieter bleiben", urteilt Wuffli.

Für Neueinsteiger lägen die Eintrittshürden hoch. Banker schätzen, dass erst nach fünf bis zehn Jahren Geld verdient wird. Doch die Ertragsaussichten sind so attraktiv, dass beispielsweise J.P. Morgan Chase und Morgan Stanley in Deutschland eine Vermögensverwaltung aufbauen. "Ein Erfolg in der Vermögensverwaltung in Europa ist nur möglich, wenn auch in Deutschland die wohlhabenden Privatkunden von der Leistungsfähigkeit der Bank überzeugt sind", hatte Lutz Raettig, Vorstandsvorsitzender der Morgan Stanley Bank AG, unlängst gesagt. In Europa leben nach der Schätzung von Cap Gemini 2 Mill. Reiche mit einem Vermögen von über 1 Mill. .

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte
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