Energiekonzern Eon wird sich von seiner Mehrheitsbeteiligung an dem Logistikkonzern trennen
Deutsche Bahn putzt sich mit Stinnes heraus

Der Bahn-Konzern wird zum europäischen Transport- und Logistik-Riesen. Bahnchef Mehdorn erhofft sich von dem 2,5-Milliarden-Deal den Durchbruch im schwächelnden Cargo-Bereich. Der Eon-Aufsichtsrat hat heute Abend der Übernahme zugestimmt.

agr/ek/vwd. BERLIN. Die Deutsche Bahn AG (DB) will den mehrheitlich der Eon AG gehörenden Logistikkonzern Stinnes übernehmen. Sie bietet allen Aktionären 32,75 Euro je Aktie, was einem Kaufpreis von 2,5 Mrd. Euro entspricht. Die Transaktion soll im Herbst 2002 abgeschlossen sein. Die Bahn, die mit der Übernahme zum Logistik-Komplettanbieter wird, benötigt noch kartellrechtliche Freigaben sowie Grünes Licht des Bundes als Mehrheitseigner. Der Eon-Aufsichtsrat hat heute Abend der Übernahme zugestimmt.

"Wir machen den Sprung in eine neue Zukunft, was den Güterverkehr in Europa anbetrifft", sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Als erste Bahn in Europa verfüge die DB künftig über ein europäisches Vertriebsnetz und könne die von Großkunden erwartete Komplettleistung von Transport und Logistik anbieten. Darin lägen große Wachstumspotenziale.

Den Löwenanteil wird die Bahn vom Düsseldorfer Eon-Konzern übernehmen, der sich auf das Energiegeschäft konzentrieren will. Für seine 65,4 % an Stinnes erhält Eon rund 1,6 Mrd. Euro und wird einen Buchgewinn von 600 Mill. Euro erzielen. Eon teilte mit, dass der von der Bahn angebotene Übernahmepreis eine Prämie von 24,5 % gegenüber dem Schlusskurs vom 26. Juni enthalte, dem letzten Handelstag vor öffentlichen Spekulationen zur Stinnes-Übernahme durch die Bahn.

Die Bahn will über die Eon-Anteile hinaus auch möglichst alle Aktien aus Streubesitz übernehmen. Stinnes wäre dann nicht mehr börsennotiert, sagte Bahn-Finanzchef Diethelm Sack. Der Kaufpreis soll etwa zu einem Fünftel aus vorhandener Liquidität finanziert werden, sagte Sack. Der Rest werde über Anleihen am Kapitalmarkt beschafft. Angesichts "der guten Bilanzrelationen" der Bahn und der Potenziale der Transaktion sei eine Ausweitung der Verschuldung vertretbar.

Die Stinnes AG, so Güterverkehrsvorstand Bernd Malmström, sei künftig die Führungsgesellschaft für alle Transport- und Logistikaktivitäten im DB-Konzern. Darunter würden dann DB Cargo als Carrier und Schenker als Logistiker völlig getrennt operieren. Die bisherigen Luftfracht- und Seefracht-Aktivitäten von Schenker sollen unverändert fortgeführt werden. Trennen will sich die DB möglichst bis Ende 2003 von den Chemie- und Stahl-Aktivitäten von Stinnes. Dabei gebe es "keine direkte Eile", sagte Mehdorn. Es gebe zudem Interessenten.

Stinnes hält den von der Bahn angebotenen Übernahmepreis für attraktiv. Analysten teilen die Beurteilung. Christian Cohrs, Analyst der Hypovereinsbank, begrüßte das Übernahmeangebot als fair. Es entspreche ziemlich genau dem Kursziel der Stinnes-Aktie. Beifall kommt auch von der Arbeitnehmerseite. Transnet-Chef Norbert Hansen sagte, dass die Bahn mit der Übernahme als Komplettanbieter neue Marktanteile im Cargo-Bereich gewinnen könne. Begrüßt wird die Übernahme auch von Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig. Die Sanierung der Bahn werde durch diese unternehmerische Vorwärtsstrategie unterstützt.

Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Konzern mit mehr als 250 000 Beschäftigten und 28 Mrd. Euro Umsatz. Stinnes trägt dazu rund 12 Mrd. Euro bei. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die Speditionstochter Schenker. Das Ebit (Ergebnis von Zinsen und Steuern) von Stinnes wuchs 2001 um 25,9 % auf 317,2 Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

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