Energiepolitik
Republikaner entdecken Umwelt und Klima

Auch wenn John McCain auf Atomstrom und Barack Obama auf Spritsparen setzt, haben Republikaner und Demokrat doch eines gemeinsam: Beide Präsidentschaftsbewerber wollen Amerikas Energiepolitik auf den Kopf stellen.

WASHINGTON. Rekordpreise für Heizöl und der Preis für eine Gallone Sprit bei vier Dollar: Es gibt kaum ein Thema, das die von niedrigen Preisen verwöhnte Nation der Autofahrer und Stromkonsumenten stärker beschäftigt als dieses - Energie. Die beiden Präsidentschaftskandidaten haben das schnell begriffen und stiegen mit einer Vielzahl von Vorschlägen in die Debatte ein. Diese umfassen die gesamte mögliche Bandbreite: Von der Atomkraft über "grüne Kohle" bis hin zu populistischen Maßnahmen: Als der Republikaner John McCain befristet eine Aussetzung der Spritsteuer in den Sommermonaten forderte, wies der Demokrat Barack Obama dies als billigen Wahlkampftrick zurück. Allerdings nur, um seinerseits eine ebenfalls massentaugliche Besteuerung der Profite der Ölkonzerne zu fordern.

Der große Unterschied zu früheren Wahlen: Erstmals überlassen die Republikaner das Umweltthema nicht alleine den Demokraten. McCain und Obama marschieren umweltpolitisch zumindest in die gleiche Richtung. McCain hofft deshalb gerade bei diesem Thema moderate Demokraten auf seine Seite ziehen zu können.

Da die beiden Bewerber einen Mix aus kurz- und langfristigen Maßnahmen präsentieren, um die Energieprobleme in den Griff zu bekommen, entsteht ein etwas konfuser Eindruck. So wird McCain nicht müde, eine Aufhebung der Bohrbeschränkungen entlang der Ost- und Westküste zu fordern. Eine Beschränkung, die der Senator aus Arizona bei ihrer Einführung im Jahr 2000, im Übrigen noch unterstützt hatte. Ebenso energisch propagiert er den Bau von 45 neuen Atomkraftwerken bis 2030 - einen Vorschlag, den in etwas abgewandelter Form George W. Bush seit Jahren vorträgt, aber nie realisieren konnte. Beides verkauft McCain als Lösung der aktuellen Krise. Doch tatsächlich würden viele Jahre vergehen, bis erste Auswirkungen zu spüren wären.

Obama hingegen sperrte sich lange Zeit gegen neue Ölplattformen vor den amerikanischen Küsten, schwenkte unter dem öffentlichen Druck allerdings kürzlich selbst auf den McCain-Kurs ein. Seine Kernforderungen jedoch ist eine Anhebung der Verbrauchsstandards für Fahrzeuge. Damit will er den Ölverbrauch in den USA bis 2030 um 35 Prozent senken.

Ein ambitioniertes Ziel setzt Obama auch der Stromwirtschaft. Diese soll bis zum Jahr 2025 ein Viertel ihrer Erzeugung aus alternativen Quellen wie Sonne und Wind schöpfen. Für die Atomoption kann er sich nicht erwärmen. Der Grund: Er sieht das Hauptproblem nicht so sehr in der Beherrschbarkeit der Technologie, sondern in der Lagerung der nuklearen Abfälle. So ist er auch strikt gegen das geplante Endlager in Yucca Mountain in Nevada.

Vom scheidenden Amtsinhaber Bush grenzt sich McCain am deutlichsten durch seine Einschätzung des Klimawandels ab. McCain negiert nicht, dass die Erderwärmung zu einem Gutteil durch menschliches Handeln verursacht ist. Bereits 2003 hatte er gemeinsam mit Senator Joe Liebermann (damals Demokrat) ein Projekt zur Eindämmung der Treibhausgase ins Leben gerufen. Mit Obama ist er sich auch einig, dass der CO2-Ausstoß gesetzlich beschränkt werden muss. Allerdings setzt McCain mehr als Obama auf den Erfolg einer "cap-and-trade"- Lösung, bei der Unternehmen mit Emissionszertifikaten handeln können. Obama unterstützt zwar auch den Zertifikatehandel. Doch wird dieses Instrument bei ihm stärker von steuerlichen Anreizen sowie staatlichen Auflagen flankiert.

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