Energietechnik verliert an Bedeutung
Babcock erwartet schwieriges Jahr

Babcock-Chef Klaus Lederer sucht immer noch eine zukunftsträchtige Struktur für seine unverändert labile Unternehmensgruppe. Trotz voller Auftragsbücher hat sich die Situation des Konzerns verschlechtert. Operativ muss er rote Zahlen verkraften. In der Energietechnik sollen Partner helfen.

kv DÜSSELDORF. Für die Aktionäre der Babcock Borsig AG ist das Geschäftsjahr 2000/01, das am 30. September endete, enttäuschend verlaufen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hat sich um rund 180 Mill. Euro verschlechtert, gab Babcock-Chef Klaus Lederer am Montag bekannt. Damit ist der vor allem in der Energietechnik und im Schiffbau tätige Konzern mit Sitz in Oberhausen operativ in die roten Zahlen gerutscht.

Anders als noch zu Beginn des Geschäftsjahres ist von einer Dividende heute keine Rede mehr, und das auch nicht für das neue, laufende Geschäftsjahr. Durch den Verkauf der Beteiligung an der Nordex AG, die im Windkraftanlagengeschäft arbeitet, konnten außerordentliche Erträge von 129 Mill. Euro mobilisiert werden. Sie ermöglichen unter dem Strich ein positives Ergebnis.

Lederer bemüht sich seit Jahren, für den angeschlagenen Konzern eine tragfähige Basis zu finden. Sie sollte nach vielen Umstrukturierungen mit der Konzentration auf die beiden Kerngeschäftsfelder Energie und Schiffbau erreicht werden, so der Babcock-Chef bisher. Nun bringt er allerdings eine neue Variante ins Gespräch, die sogar mit dem Rückzug aus der Energietechnik enden könnte. Zunächst will er "so schnell wie möglich" 100 % der Kieler Howaldtswerke Werft-Deutsche AG (HDW) erwerben. Derzeit besitzt Babcock 50 % der Anteile plus eine Aktie an der größten deutschen Werft. Die restlichen Pakete von jeweils 25 % liegen bei der Preussag AG und beim schwedischen Rüstungsunternehmen Celsius. Gespräche würden bereits geführt, sagte Lederer. Die Finanzierung sei kein Problem. Babcock könne Bankkredite aufnehmen oder weitere Unternehmen verkaufen.

Zudem sucht Lederer nun überraschend für die Energietechnik Partner, insbesondere für den Bau großer konventioneller Kraftwerke. Grund dafür seien Finanzierungsprobleme bei langjährigen Großprojekten. Auf die Frage, ob Babcock damit mittelfristig allein auf den Schiffbau setze, antwortete Lederer ausweichend: "Dafür ist es sicherlich derzeit noch zu früh. Die Verlockung ist allerdings groß, sich in diese Richtung zu bewegen."

Für das schlechtere Abschneiden, das sich außer am Ergebnis auch im deutlichen Rückgang des Umsatzes zeigt, nannte Lederer mehrere Gründe. Im Unterschied zum Vorjahr gebe es weniger Großaufträge. Zudem verwies er auf die fehlenden Nordex-Zahlen. Vor allem aber sei das beendete Geschäftsjahr außerordentlich "abrechnungsschwach" gewesen. Vom enormen Auftragsbestand von mehr als 11 Mrd. Euro werde der Großteil erst von 2002/03 an zu Geld: "Auch im laufenden Jahr wird es kaum nennenswerte Abrechnungen in unseren Kerngeschäften geben, so dass wir mit einem allenfalls ausgeglichenen operativen Ergebnis rechnen." Das im Auftragsberg steckende Ertragspotenzial bezifferte Lederer auf rund 700 Mill.Euro.

Allerdings wolle man die Hände nicht in den Schoß legen, bis tatsächlich bessere Zeiten anbrechen. Deshalb werde man ein "Maßnahmenpaket zur strategischen Absicherung" erarbeiten, das Anfang 2002 im Einzelnen vorgestellt werden soll. Näher wollte sich Lederer dazu nicht äußern. Die Börse nahm die neuen Nachrichten mit Skepsis entgegen. Babcock gehörte zunächst zu den Tagesverlierern. Auch ein für den gestrigen Nachmittag angesetztes Analystentreffen brachte dem im M-Dax notierten Papier des Mischkonzerns keine Erholung.

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