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Energieunternehmen wollen schnelle Entscheidung über Strompreise

Die großen deutschen Energie-Konzerne wollen möglichst schnell über eine Anhebung der Strompreise zum Jahreswechsel entscheiden. Nachdem klar ist, das Gas infolge der hohen Ölpreise in den nächsten Monaten teurer wird, müssen sich die Verbraucher damit im kommenden Winter auf merklich höhere Energie-Rechnungen einstellen. Während die Konzerne dies vor allem mit gestiegenen Beschaffungskosten begründen, kommen auf einige regionale Versorger höhere Nutzungsgebühren für die Hochspannungsnetze zu. Der Bund der Energieverbraucher sprach von "unglaublichen" Vorgängen.

dpa-afx BERLIN. Die großen deutschen Energie-Konzerne wollen möglichst schnell über eine Anhebung der Strompreise zum Jahreswechsel entscheiden. Nachdem klar ist, das Gas infolge der hohen Ölpreise in den nächsten Monaten teurer wird, müssen sich die Verbraucher damit im kommenden Winter auf merklich höhere Energie-Rechnungen einstellen. Während die Konzerne dies vor allem mit gestiegenen Beschaffungskosten begründen, kommen auf einige regionale Versorger höhere Nutzungsgebühren für die Hochspannungsnetze zu. Der Bund der Energieverbraucher sprach von "unglaublichen" Vorgängen.

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern Vattenfall Europe will ebenfalls in Kürze über die geplanten höheren Nutzungsgebühren für seine Hochspannungsnetze entscheiden. Der Beschluss werde "in den nächsten Tagen" erfolgen, sagte Konzernsprecher Peter Poppe am Dienstag in Berlin. Zugleich widersprach er Informationen, wonach die Durchleitungskosten um bis zu 28 % steigen sollen. Die Anhebung werde "deutlich niedriger" ausfallen.

RWE Energy Beantragt Strompreiserhöhung Anfang 2005

RWE Energy will eine Strompreis-Anhebung bei den zuständigen Aufsichtsbehörden in den Ländern zum Jahresanfang 2005 beantragen. Das Unternehmen rechnet für die sieben Mill. von ihr mit Strom belieferten Haushalte mit rund fünf Prozent Mehrkosten in Höhe von drei bis vier Euro monatlich.

Der größte deutsche Energie-Versorger E.ON hat die Preise auf den Prüfstand gestellt. Zum Konzern gehörende Versorger wiesen auf gestiegene staatliche Belastungen sowie höhere Brennstoffkosten für die Stromerzeugung durch Kohle und Gas hin. Ein Sprecher der Thüringer Energie AG sagte: "Wenn wir teuer einkaufen müssen, müssen wir das natürlich auch an die Kunden weitergeben."

Enbw Will Abwarten

Zurückhaltend äußerte sich der Pressesprecher der Energie Baden-Württemberg (Enbw): "Wir müssen abwarten, wie sich die Rohstoff- und Beschaffungskosten entwickeln und können erst dann eine Aussage darüber machen, ob das eine Auswirkung auf unsere Preise hätte."

Vattenfall Europe wird die Strompreise für Privatkunden ebenfalls "mit großer Wahrscheinlichkeit" erhöhen. "Wir prüfen derzeit ernsthaft, ob wir die Preise erhöhen müssen", sagte Konzernsprecher Poppe. Die Entscheidung soll im September fallen. Auf eine Größenordnung wollte sich der Sprecher nicht festlegen. Zur Begründung verwies er vor allem auf gestiegene Beschaffungskosten.

Betroffen von den Preissteigerungen wären allein in Hamburg und Berlin drei Millionen Kunden. Die beiden dortigen Stromversorger HEW und Bewag sind 100-prozentige Töchter von Vattenfall. Der meistgenutzte Tarif Berlinklassik kostet für einen Durchschnitts- Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden derzeit 657 ?. Der Hewclassic-Preis liegt mit durchschnittlich 660 ? pro Jahr etwas höher.

Der Bundesverband der Elektrizitätswirtschaft (Vdew) rechnet ebenfalls mit höheren Strompreisen im nächsten Jahr. Als Grund nannte eine Sprecherin in Berlin vor allem die höheren Beschaffungskosten sowie den politisch gewollten Ausbau der Windenergie durch das Gesetz für erneuerbare Energien. Insgesamt werde Strom aber weiterhin billiger sein als vor der Liberalisierung des Energiemarktes.

BEV Verurteilt Geplante Preiserhöhungen

Der Bund der Energieverbraucher (BEV) verurteilte die geplanten Preiserhöhungen. "Es ist unglaublich, was auf dem Strommarkt passiert. Für die Erhöhung gibt es überhaupt keine Rechtfertigung", sagte der BEV-Vorsitzende, Aribert Peters, in einem dpa-Gespräch. Die Unternehmen wollten sich noch mehr Geld in die Taschen stecken. Für die Verbraucher seien die Strompreise seit dem Jahr 2000 unaufhaltsam gestiegen, ohne dass es dafür eine Begründung gebe.

Die von den Versorgen angeführten Argumente wie die Öko-Steuer oder Mehrkosten für die Einspeisung von Windenergie wies Peters zurück. Die Behauptung, durch die Einleitung von Windenergie entstünden höhere Kosten, weil Strom für Windausfall vorgehalten werden müsse (Regelenergie), hält der BEV-Chef für ein Scheinargument. "Windkraft lässt sich heute gut prognostizieren, daran könne man Planungen gut ausrichten".

Nach Angaben des Vdew blieb der bundesweite Stromverbrauch im ersten Halbjahr mit 246,1 Mrd. Kilowattstunden nahezu unverändert. Im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2003 bedeutet dies ein Plus von 0,3 %. Auch für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit keinen größeren Veränderungen.

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