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Energische Sekretärin

Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens ins Büro: Gleich beim Eintreten regelt sich die Klimaanlage auf Ihre Lieblingstemperatur, je nach Lichtverhältnissen schalten sich Lampen automatisch ein.
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Die Kaffeemaschine ist bereits aktiv, und Ihr Computer projiziert die wichtigsten E-Mails an die Zimmerwand. Die können Sie in Ruhe lesen. Denn in den nächsten 20 Minuten werden Sie nicht gestört. Ihr Computer hat alle Kollegen benachrichtigt, dass Sie gerade an einer wichtigen Präsentation arbeiten. Wer sich nicht abhalten lässt, wird an Ihrer Bürotür gestoppt, wo ein Flachbildschirm deutlich darauf hinweist, dass Sie momentan nur im äußersten Notfall ansprechbar sind. Als 20 Minuten später Ihr Team zur Besprechung erscheint, rollt ihr Schreibtisch automatisch zurück, um mehr Platz zu schaffen, und auf der Wand erscheinen Tagesordnung und Präsentation.

Das Szenario ist bereits fünf Jahre alt und wird ab und an unter dem Stichwort "Intelligentes Büro" präsentiert. Neu ist, dass es solch ein Büro jetzt tatsächlich gibt. Bluespace heißt der Prototyp, den der US-Büroausstatter Steelcase und der Technologiekonzern IBM gerade fertig gestellt haben. Die US-Bank Wachovia testet die Ausstattung bereits.

Bluespace ist eigentlich für das typische amerikanische Wabenbüro - Cubicle - konzipiert, wird auf Wunsch aber europäischen Einzelbüros angeglichen. Herzstück ist eine Chipkarte, die alle Vorlieben und Berechtigungen ihres Eigentümers speichert. Per Funk kommuniziert sie mit einem Computer, der alle Raumfunktionen steuert. Am Schreibtisch sind zwei Flachbildschirme befestigt, von denen einer nur dazu ist, ständig benötigte Informationen darzustellen.

Die Vermarktungschancen schienen glänzend, als Steelcase und IBM das Projekt vor zwei Jahren starteten, weil angesichts der guten Konjunktur Opulenz im Büro angesagt war.

Wegen der schwachen Wirtschaftslage hat sich das drastisch geändert, und so schweigt sich IBM beharrlich über den Preis des Büros aus. Kenner schätzen allein den Wert der Technik auf mindestens 25000 Euro. IBM verweist lediglich auf Produktivitätsgewinne durch die Vertreibung von lästigen Störenfrieden. Da haben die Europäer einen echten Vorteil. Dort reicht oft eine geschlossene Bürotür oder eine energische Sekretärin.

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