Engagement im deutschen Free-TV wieder denkbar
Berlusconi-Firmen ändern ihre Strategie

Die Berlusconi-Firmen Fininvest und Mediaset geben sich auch nach dem vorläufigen Ende von Kirch offiziell zugeknöpft. Gemeinsam halten Mediaset und Fininvest knapp 5% an der insolventen Kirch Media AG. Unternehmensnahe Kreise sagten gestern aber, dass man sich trotz der Insolvenz noch nicht vollständig aus dem Spiel sehe.

HB/mab MAILAND. Jetzt warte man darauf, dass die Banken eine Verhandlungsrunde über die weitere Zukunft des zahlungsunfähigen Unternehmens einläuteten. "Wenn man uns bittet, am Tisch Platz zu nehmen, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass wir uns verweigern werden", sagte ein hoher Fininvest-Manager dem Handelsblatt.

Nichts mehr zu hören ist mittlerweile von der Ablehnung des Hauses, weiteres Geld in die Sache zu stecken. Auf einer Pressekonferenz vor knapp zwei Wochen hatte Mediaset-Vorstandschef Fedele Confalonieri noch eine Beteiligung an einer Kapitalerhöhung kategorisch ausgeschlossen. Ob diese Aussage weiterhin Gültigkeit besitzt, wird in Finanzkreisen angezweifelt. Es verfestigt sich vielmehr der Eindruck, die Taktik der Berlusconi-Firmen habe sich verändert. "Ich könnte mir vorstellen, dass Mediaset erst jetzt - nach der Insolvenz - den günstigen, weil billigen Moment zur Verstärkung des Engagements sieht", sagt ein Medienanalyst, der nicht genannt werden will.

In der Branche ist klar, dass sich Fininvest/Mediaset ausschließlich für das Free-TV, also Pro Sieben und Sat.1 Media, interessieren. Die Unternehmensgruppe besitzt keine Erfahrung im Bereich des Bezahlfernsehens und hat in der Vergangenheit wiederholt signalisiert, nicht in dieses Geschäftsfeld einsteigen zu wollen. Hinter vorgehaltener Hand wurde im Laufe der letzten Wochen immer zugegeben, dass man sich ein Modell vorstellen könne, wonach Murdoch's News Corp. die unternehmerische Führung der Pay-TV Sparte übernehme und Mediaset das Free-TV.

Derweil ist den Managern des italienischen Ministerpräsidenten voll bewusst geworden, dass die exponierte Position Silvio Berlusconis für eine Expansion im Ausland - zumal in einem befreundeten EU-Staat - äußerst hinderlich ist. Die harsche Reaktion des Bundeskanzlers und die offen feindliche Haltung der öffentlichen Meinung gegen eine Übernahme von Kirch durch Berlusconi hat jedenfalls Spuren hinterlassen. "Das Ganze könnte strategisch einen großen Reiz besitzen, hätte die Geschichte nicht eine derart politische Dimension", meint etwas ratlos ein Manager der Mediaset.

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