Enge Verbindungen zu El-Kaida vermutet
Zeuge schildert Motassadeq als Israel-Feind

Im Hamburger Prozess um die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA hat ein Zeuge dem angeklagten Marokkaner Mounir El Motassadeq extreme Feindschaft gegen Israel und die Juden vorgeworfen.

Reuters HAMBURG. Der 29-Jährige, der von Mitte 1996 bis Ende 1999 mit Motassadeq in einem Hamburger Studentenwohnheim lebte, sagte am Donnerstag, der Angeklagte habe das Existenzrecht Israels in Diskussionen mehrfach bestritten. "Da gab es für ihn keinen Kompromiss, das Land sollte zu einem arabischen Staat werden", sagte der Zeuge vor dem Hamburger Oberlandesgericht. 1997 oder 1998 habe er ein Gespräch belauscht, in dem Motassadeq sinngemäß gesagt habe: "Wir machen wieder etwas Großes. Die Juden werden alle sterben, und wir werden auf ihrem Gräbern tanzen."

Er habe damals nicht an Anschläge gedacht und sich deswegen auch keine Sorgen gemacht, sagte der Zeuge weiter. 1998 oder 1999 habe der frühere Elektrotechnikstudent Motassadeq ihm einen Freund mit den Worten vorgestellt: "Das ist unser Pilot." Mit dabei seien drei bis sechs Freunde des Angeklagten gewesen, denen diese Aussage offenbar nicht recht gewesen sei. Auf wen der Satz gemünzt war, konnte der Zeuge nach eigener Aussage nicht mehr erinnern. Möglicherweise sei aber Mohammed Atta dabei gewesen, der am 11. September 2001 eines der Flugzeuge in das World Trade Center in New York steuerte. Atta gilt als Kopf der Hamburger Zelle der Attentäter.

Die Bundesanwaltschaft sieht in Motassadeq einen wichtigen Helfer bei der Vorbereitung der Anschläge mit entführten Flugzeugen in den USA, bei denen über 3 000 Menschen starben. Motassadeq hat bisher in dem Prozess mehr oder weniger enge Kontakte zu jenen Moslems in Hamburg bestätigt, die die Ankläger als Zelle um Atta ansehen. Die Gruppe soll enge Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk des Moslem-Extremisten Osama bin Laden unterhalten haben. Motassadeq bestreitet jedoch, von den Plänen für die Anschläge in den USA gewusst zu haben.

In dem weltweit ersten Prozess nach den Anschlägen schilderte der Zeuge den Angeklagten als tief religiösen Menschen, für den es "in Glaubensfragen keinen Kompromiss" gegeben habe. Deswegen sei es gelegentlich zu Reibereien im Studentenwohnheim gekommen. "Motassadeq war Fundamentalist, aber das ist natürlich eine Definitionsfrage", sagte der Zeuge. Atta habe er als "engen Freund von Motassadeq" kennen gelernt. "Er (Atta) war ein netter Gesprächspartner und wirkte wesentlich reifer als die anderen Freunde Motassadeqs", sagte der Zeuge.

Atta habe die westliche Gesellschaft und Kultur viel besser gekannt als die anderen, sagte der Zeuge. Insgesamt habe der Freundeskreis Montassadeqs aus etwa sechs moslemischen Studenten bestanden. Darunter sei auch der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Said Bahaji gewesen.

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