Enges Verhältnis zu Schröder
Wolfgang Clement: Macher, Modernisierer und eigenwilliger Quertreiber

Wolfgang Clement gilt seit langem als einer der Wortführer unter den Modernisierern in der SPD. Ähnlich wie Bundeskanzler Gerhard Schröder gilt er als "Mann der Wirtschaft" und steht auch dazu.

HB/dpa DÜSSELDORF. Für wirtschaftspolitische Weichenstellungen, die Clement für unerlässlich hält, probt er im Bundesrat bisweilen "allein gegen alle" den Aufstand gegen die Berliner Regierungslinie. Beispiele dafür waren in den vergangenen Jahren sein Nein zur zweiten Stufe der Ökosteuer, seine Blockade gegen das Dosenpfand und sein Vorpreschen für die Forschung mit embryonalen Stammzellen. Zur Zeit kämpft er für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer.

Clement verkörpert einen völlig anderen Politiker-Typ als sein Ziehvater und Vorgänger im Amt, der heutige Bundespräsident Johannes Rau. Die Rolle des Landesvaters liegt ihm sichtlich weniger als die des effizienten Politik-Managers. "Vorstandsvorsitzender der Nordrhein-Westfalen-AG" ist ein Etikett, das ihm immer wieder angehängt wurde.

Der Jurist und Journalist Clement wurde mit 30 Jahren SPD-Mitglied. Zehn Jahre später begann er seine politische Karriere als Sprecher des SPD-Bundesvorstands. 1985 stieg er zum stellvertretenden Bundesgeschäftsführer seiner Partei auf. Ein Jahr später warf der gebürtige Bochumer das Handtuch, weil er mangelnde Unterstützung der SPD-Führung für ihren Kanzlerkandidaten Johannes Rau ausmachte. 1987 kehrte Clement als Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost" kurz zum Journalismus zurück. Im Januar 1989 holte ihn Rau wieder an den Rhein und machte ihn zum Chef der Staatskanzlei und Minister für besondere Aufgaben.

1995 wurde Clement Wirtschaftsminister in Düsseldorf, bis der langjährige "Kronprinz" seinen Chef im Mai 1998 endlich im Amt des Ministerpräsident beerben durfte. Rau hatte sein Amt vorzeitig aufgegeben. Bei der Landtagswahl am 14. Mai 2000 stellte Clement sich erstmals den Wählern. Dabei wollte er seinen ersten eigenen Wahlsieg erringen und mit einem guten Ergebnis endgültig aus dem Schatten seines politischen Ziehvaters Rau treten. Doch die Wahl endete für Clement mit einer Enttäuschung. Die SPD fiel von 46 auf 42,8 % der Stimmen, ihr schlechtestes Ergebnis seit 1958.

Auch sachpolitisch musste Clement eine Reihe von Niederlagen einstecken. Eine unglückliche Hand bei der Besetzung einiger Kabinettsposten, Niederlagen vor dem Landesverfassungsgericht und Lähmungen in der Zusammenarbeit mit dem Grünen-Koalitionspartner ließen den "großen Wurf" in seiner Landespolitik bislang vermissen.

Seit fast drei Jahren ist der Vater von fünf erwachsenen Töchtern Vize-Bundesparteichef. Sein Verhältnis zu Schröder, das er bei seinem Amtsantritt 1998 noch als nüchternes Arbeitsverhältnis beschrieben hatte, ist seitdem zunehmend enger und herzlicher geworden.

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