England schaut nur zu
Das „Fußball-Mutterland“ trägt es mit Fassung

Die Schmach, dass weder England noch eine andere Nation von den britischen Inseln bei der Euro 2008 vertreten ist, sitzt tief im "Fußball-Mutterland", wird aber mit Fassung getragen. Für englische Boulevardzeitungen wie die "Sun" steht die größte "Euro-Partie" des Sommers schon fest.

HB LONDON. Für die "Sun" steigt die größte Euro-Party am kommenden Samstag im italienischen Portofino, wenn der 22-jährige England- und Manchester-United-Stürmerstar Wayne Rooney dort seine Verlobte Coleen McLoughlin heiratet - eine acht Millionen Euro teure Feier inklusive. Bei der EM müssen Rooney und Co leider draussen bleiben.

Während das europäische Gipfeltreffen in Österreich und der Schweiz begann, war dort eigentlich eine Art informeller "Three Lions"-Treff vorgesehen. Doch Kapitäns-Aspiranten Rio Ferdinand (Man United) und Steven Gerrard (FC Liverpool) passten ebenso wie andere.

Die meisten England-Profis sind in den Urlaub abgetaucht. Allein für den unverwüstlichen David Beckham (Los Angeles Galaxy) steht in der gerade erst in die neue Saison gestarteten amerikanischen "Soccer League" fußballerischer Arbeitsalltag an.

Dass die "Three Lions" völlig verdient fehlen, wird kaum bestritten. Undiplomatische Äußerungen von Michel Platini, dem Präsidenten des europäischen Fußballverbands UEFA, dass England bei der EM "nicht vermisst" werde, lösten in den britischen Medien eher stille Zustimmung als einen Sturm der Entrüstung aus. Europameisterliche Form zeigen die Blätter dagegen beim selbstironischen Spott.

"Drei lange Wochen muss Großbritannien nun zuschauen, und den Österreichern und Schweizern entgeht die kulturelle Erfahrung, unsere Fans dabei zu beobachten, wie sie in den Straßen urinieren und Plastikstühle werfen - ganz klar ein Verlust für beiden Seiten", schrieb unlängst die "Daily Mail", die das Positive betonte: "Keine endlose Reihe von Spielern, die behaupten, "Wir können gewinnen!', kein Ruf nach dem Ritterschlag für die Mannschaft, keine Fotos von Spielerfrauen, die in Wiens Boutiquen herumtrippeln, keine neue Flut von Spieler-Autobiografien."

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