Engpass bei Internet-Adressen überwunden
Geplante Europa-Domain „.eu“ wird im nächsten Jahr Entspannung bringen

Die Zahl der Internetadressen in Deutschland wächst nicht mehr so sprunghaft. Neuanmeldungen mit der Domain „.de“ gibt es laut Internet-Registrierungsstelle Denic immer weniger. Für zusätzliche Entlastung wird künftig auch die geplante Europa-Domain „.eu“ sorgen.

DÜSSELDORF. Die Zeiten des grenzenlosen rasanten Wachstums der deutschen Internetadressen neigt sich dem Ende zu. Derzeit verzeichnet die Deutsche Network Information Center ( Denic ) eG, Frankfurt/Main, 3,36 Mill. Internetadressen mit der Endung ".de". "Das exponentielle Wachstum ist allerdings einem linearen Wachstum gewichen", erklärte Denic-Sprecher Klaus Herzig gegenüber dem Handelsblatt. Noch immer kommen monatlich rund 200 000 Adressen hinzu.



Die 40 Beschäftigten der Genossenschaft, an der etwa 120 Internet Service Provider beteiligt sind, hatten seit ihrer Gründung 1997 alle Hände voll zu tun. Schließlich wurde erst im Oktober des vergangenen Jahres die Millionen-Grenze übersprungen. Anfang September wurde die Schwelle von drei Millionen überschritten. Vor allem die Anzahl von Domains, die Privatpersonen registrieren lassen, nahm in den letzten beiden Jahren extrem zu. Zudem sanken auch die Preise für Web-Adressen kontinuierlich. Der Grund für die jetzt einsetzende Abflachung des Booms liegt darin begründet, dass alle prominenten Internetadressen längst vergeben sind. Zudem hat der Markt eine gewisse Sättigung erreicht.



Ein Ende des Domain-Engpasses rückt bereits in greifbarer Nähe. Mit Hochdruck arbeitet derzeit Brüssel an einer Europa-Domain ".eu". Der von den europäischen Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfel im portugiesischen Feira verabschiedete "eEurope-Aktionsplan" sieht auch die Einführung einer ".eu"-Adresse vor.Wie Joachim Gross, Sprecher der Vertretung der EU-Kommission in Berlin, erklärt, soll das Kürzel ein virtuelles Gegengewicht zur dominierenden US-Kennung ".com" bilden.



Für Brüssel hat das Internet und damit der Durchbruch zur Informationsgesellschaft derzeit höchste Priorität. Bereits nächstes Jahr soll die Europa-Domain Wirklichkeit werden. Eine Interim Steering Group arbeitet an der Realisierung des Zieles von EU-Kommissar Erkki Liikanen, zuständig für die Informationspolitik und Unternehmenspolitik.



Eine Reihe von Fragen sind allerdings zu lösen: Wie sieht die künftige Registrierungsorganisation aus? Wie soll die Registrierungspolitik organisiert werden? Wie wird in Streitfällen - vor allem hinsichtlich eines Warenzeichens - verfahren? Auch die Frage, ob so genannte Sublevels möglich sind, ist ungeklärt. Während der Diskussionsprozess auf Hochtouren läuft, reagiert die Branche begeistert. Markus Eggensperger, Vorstand der united AG, -domains Starnberg, setzt auf eine rasche Einführung der ".eu"-Adresse. Sein Unternehmen kreierte bereits eine eigene Homepage (www.doteu-partner.com). Hier können sich Interessenten für die geplanten Europa-Domains vormerken lassen.



Ob aus dem noch kostenlosen Service schon bald ein Geschäft wird, bleibt offen. Doch der 27-jährige Eggensperger, nebenbei Jura-Doktorand, zeigt sich optimistisch. Er hofft, dass sich Kommission und Ministerrat noch vor Weihnachten zu Entscheidungen durchringen. Die united AG-domains habe in Brüssel "mit Nachdruck des Interesse der Internet-Community verdeutlicht." Eggensperger geht davon aus, dass bereits bis Mitte 2001 die europäische Top-Level-Domain Wirklichkeit wird. Wie hoch die Kosten der Registrierung für die Europa-Domains sein werden, darüber gibt es nur Spekulationen. Branchen-Insider rechnen mit Preisen, die von drei bis 20 DM pro Monat reichen.



Europäische Medienpolitiker hoffen, mit der neuen Internet-Adresse, nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der EU zu stärken, sondern das Quasi-Monopol der mittlerweile berühmt gewordenen "Dot-coms" zu brechen. Doch vielleicht kommt die Brüsseler Initiative, die übrigens bereits seit 1996 diskutiert wird, zu spät. Denn die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) arbeitet bereits an der Einführung zahlreiche neuer Top-Level-Domains (TLD). Die Bewerberliste bei der Gesellschaft, die seit 1998 das Internet technisch koordiniert, ist lang. Sie reicht von ".air" (Société Internationale de Télécommunications) über ".die" (Novell) bis hin zu "health" (WH0) und ".mas" (Nokia). Seit Oktober ist die Bewerberliste geschlossen. Nun sollen auf dem Icann-Treffen Mitte November im kalifornischen Marina del Rey Nägel mit Köpfen gemacht werden.



Mitglieder der Internet-Community, die auf neue Domains nicht warten können oder wollen, haben zwei Alternativen: Zum einen können sie auf Adress-Raritäten zurück greifen. Atolle wie Tuvalu - das einstige Armenhaus des Pazikfiks - verfügt über den medienwirksamen Domainnamen ".tv".



Auch Vanuatu, nordöstlich von Australien hat unter der Top-Level-Domain ".vu" noch zahlreiche Adressen frei. Eine weitere Alternative heißt schlichtweg Phantasie. Auch wenn heutzutage fast alle Vokabeln aus dem Lexikon als ".de"-Domäne vergeben sind, gibt es immer noch zahlreiche Möglichkeiten Wortkombinationen zu erfinden, die leicht zu merken und zu schreiben sind.

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