Enkel des Verlagsgründers erstattet Strafanzeige gegen Testamentsvollstrecker
Staatsanwälte ermitteln im Streit um Springer

Der Enkel der Verlegerlegende, Axel Sven Springer, hat Strafanzeige gegen Bernhard Servatius erstattet, den Testamentsvollstrecker und früheren Aufsichtsratschef. Der Springer-Enkel bangt um sein Erbe und wirft Servatius Betrug und Veruntreuung vor. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

lip HAMBURG. Der Streit um das Erbe von Axel Cäsar Springer, Firmengründer des Axel Springer Verlags (Bild, Welt, Hörzu), hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Verlegerenkel, Axel Sven Springer, hat gegen den Testamentsvollstrecker des Firmengründers, Prof. Dr. Bernhard Servatius, Strafanzeige wegen des Verdachts auf Betrugs und Unterschlagung gestellt. Die Anzeige ist am 7. Januar 2003 bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Das bestätigten die Anwälte von Axel Sven Springer dem Handelsblatt. Nähere Angaben machten sie nicht.

Inzwischen untersucht die Hamburger Staatsanwaltschaft die Vorwürfe gegen Servatius, den ehemaligen Aufsichtsratschef von Europas größtem Zeitungskonzern. "Wir haben ein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagt Rüdiger Bagger, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Kanzlei Servatius, Jenckel & Partner betonte auf Anfrage, Servatius sei von einer Strafanzeige nichts bekannt. Servatius ist Anwalt. Er hatte Mitte 2002 seinen Posten als Aufsichtsratschef von Springer abgegeben.

Die Vorwürfe des Verlegerenkels wiegen schwer. Wie das Handelsblatt aus dem Umfeld der Anwälte erfahren hat, wirft der Verlegerenkel Servatius unter anderem vor, wichtige Erbschaftsdokumente unterschlagen zu haben. Dazu gehören Gesellschafts- und Erbenverträge sowie alle Urkunden aus dem Nachlass des Verlagsgründers. Zudem soll der frühere Oberaufseher von Springer den Entwurf eines neuen Testaments des Verlegers nicht mehr umgesetzt haben. Dabei sei vor dessen Tod noch ausreichend Zeit gewesen, um ein Testament zu erstellen - womit Servatius die Erben möglicherweise über den letzten Willen des Firmengründers getäuscht habe, heißt es aus Kreisen der Anwälte. Axel Cäsar Springer starb am 22. September 1985.

Mit der Strafanzeige bekommt die Auseinandersetzung um das Erbe des Zeitungsgiganten eine neue Qualität. Denn die Verlegerenkel, Axel Sven und Ariane Springer, sind seit längerem entschlossen, ihre Gesellschafterrolle im Springer-Verlag noch ernster zu nehmen. Sie wollen so den publizistischen Nachlass von Axel Cäsar Springer wahren, heißt es. Dabei stoßen die Enkel jedoch auf die heftige Gegenwehr von Friede Springer, der fünften Frau Springers. Ihr zur Seite steht dabei Konzernchef Mathias Döpfner. So hatten die Stief-Enkel erst kürzlich gegen Friede Springer geklagt, um von ihr in der Eigenschaft als Geschäftsführerin der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASGP) geschäftliche Auskünfte zu erhalten. Damit wollten die Enkel ihre Gesellschafterrechte in der Zwischenholding durchdrücken.

Die Enkel sind nach letzten Informationen mit jeweils 5 % an der ASPG beteiligt. Die restlichen Anteile hält die Verlegerwitwe Friede Springer. Die ASPG wiederum hält 50 % plus 10 Aktien am Verlag. Im Zuge der Insolvenz des Münchener Filmhändlers Leo Kirch hat Friede Springer zudem ein Springer-Paket von 10 % erworben. Weitere 30 % befinden sich in der Hand der Deutschen Bank, die die die Anteile an institutionelle Anleger streuen will.

Der Streit um die Zukunft des Pressekonzerns währt schon seit Monaten. Hintergrund ist die mögliche Veränderung der Aktionärsstruktur. Die Verlegerenkel befürchten offenbar, dass im Konzern Entscheidungen getroffen werden, die den Verlag langfristig belasten könnten.

Deshalb versucht Sven Springer, die Interessen der Enkel verstärkt durchzusetzen. Das hat unter anderem dazu geführt, dass er im September 2002 seinen Job im Management der verlagseigenen Zeitungsgruppe "Bild" räumen musste - "im gegenseitigem Einvernehmen" und für die Dauer der Auseinandersetzung mit der ASPG und Friede

Unklar ist, ob der Verlust von Nachlassurkunden einen Verkauf des Springer-Paktes der Deutschen Bank behindert. Das Geldhaus sieht hierfür keine Probleme, heißt es aus Bankenkreisen. Offiziell wollte sich die Deutsche Bank nicht äußern. Auch der Verlag glaub nicht, dass die Erbstreitigkeiten eine Aktienplatzierung gefährden, heißt es bei Springer. Eine Sprecherin des Konzerns wollte hierzu keine Stellungnahme abgeben.

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