Enron-Gläubiger vor Milliardenverlust

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Enron-Gläubiger vor Milliardenverlust

Der europäische Handelsbereich des bankrotten US-Energiehändlers Enron schuldet seinen Handelspartnern mehr als eine Milliarde Dollar.

rtr LONDON. "Aus Out-of-the-Money (verlustbringenden) Kontrakten wird den Gegenparteien mehr als eine Milliarde Dollar geschuldet", sagte der für Enron verantwortliche PwC-Partner Neville Kahn am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Enron Capital Trade Resources (ECRTL) steht seit November unter Konkursverwaltung durch die Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers (PwC). Unterdessen rechnet die Bayerische Landesbank (BayernLB) wegen der Enron-Pleite mit Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe.

Die Konkursverwalter von ECRTL wollen aus derzeit offenen Kontrakten etwa 100 Mill. Dollar erwirtschaften. Damit hätten Gläubiger nach Berechnungen von PwC einen Schaden von rund 900 Mill. Dollar zu verkraften. PwC will die Verluste am 11. Februar auf einer Gläubigerkonferenz präzisieren. Unter Zwangsverwaltung hatte ECRTL rund 1100 Mitarbeiter entlassen und hält mit einer Kernmannschaft von 150 Beschäftigten den Handelsbetriebs in Großbritannien teilweise aufrecht. Zur Zeit des Zusammenbruchs im November hielt Enron den Angaben zufolge rund 250 000 offene Terminkontrakte mit entsprechenden Liefer- oder Zahlungsverpflichtungen. Enron sei zudem komplizierte Handelsverträge mit Banken eingegangen, was die Verluste vervielfacht habe, sagte ein Analyst. Die Zahlen von PwC sind in Einklang mit früheren Verlustschätzungen von Industrie-Analysten. Der britische Gasanbieter und Enron-Handelspartner Centrica hatte seinen möglichen Verlust aus Termingeschäften mit dem Energiehändler im November auf 30 Mill. Pfund geschätzt. Die deutsche RWE nannte mögliche Verluste in einer Höhe zwischen zehn und elf Mill. ?.

"Es wäre sehr schwer für alle europäische Energieunternehmen, heraus zu gehen und ihr Enron-Engagement zu reduzieren", sagte Ben Tait, Direktor der Londoner Energieberatung Prospex. "Enron war ein gigantisches Geschäft mit einem Marktanteil von 20 bis 25 %." Der europäische Zweig unterhielt in Europa Beziehungen zu rund 300 Geschäftspartnern, darunter die führenden europäischen Energie- und Ölkonzerne, Handeshäuser und Banken.

Bei der Bayerischen Landesbank (BayernLB) schlägt die Pleite des US-Energiehändlers mit einem Verlust von mehr als 100 Mill. ? zu Buche. Vorstandschef Werner Schmidt sagte dem Wirtschaftsmagazin "Capital" (Februar-Ausgabe) in einer Vorabveröffentlichung vom Mittwoch, die halbstaatliche BayernLB werde diesen Betrag "voll wertberichtigen". Damit gehört die Landesbank in Deutschland zu den von dem Konkurs am stärksten betroffen Instituten.

Die Hypo-Vereinsbank hatte ihr Risiko auf rund 100 Mill. Dollar beziffert. Die Deutsche Bank geht von einem maximal zweistelligen Millionen-Dollar-Verlust aus. Die Dresdner Bank hatte die an Enron ausgereichten Kredite auf 100 Mill. Dollar beziffert, rechnet aber mit niedrigeren Wertberichtigungen.

Enron hatte Anfang Dezember Konkurs beantragt. Wegen des Verdachts auf Insidergeschäfte hatte sich auch die SEC in die größte Firmenpleite in der US-Geschichte eingeschaltet.

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