Enron hat deutschem Gasmarkt geschadet
Thyssengas erwartet harten Wettbewerb

Die Liberalisierung des deutschen Gasmarktes wird nach Einschätzung der Thyssengas GmbH vor allem den Wettbewerb um den Industriekunden ankurbeln.

rtr DüSSELDORF. Offenbar habe sich die Gaswirtschaft mit der Industrie über von dieser geforderte niedrigere Durchleitungstarife auf kommunaler Ebene geeinigt, sagte Geschäftsführer Christian Heinrich am Dienstag in Düsseldorf. Eine Einigung über solche Ausnahmen kämen allerdings die Haushalte teurer zu stehen, da die als Endversorger fungierenden Stadtwerke die Einnahmeausfälle von der Industrie auf die Haushaltskunden umwälzen müssten.

Vertreter von Gas- und Industrieverbänden hatten sich vorigen Samstag auf Regeln für den Wettbewerb im deutschen Gasmarkt geeinigt. Die so genannte Verbändevereinbarung Gas zwei soll am Freitag in Frankfurt unterzeichnet werden.

Verbändevereinbarung noch unvollständig

Die neue Verbändevereinbarung soll nach Heinrichs Angaben nur bis September 2003 gültig sein. Schon während ihrer kurzen Gültigkeit werde an Verbesserungen gearbeitet, beispielsweise bei den Netzzugangsmodellen. "Auch mit einer Verbändevereinbarung Gas drei werden wir wohl noch nicht fertig sein", sagte Heinrich auf der Jahrespressekonferenz des zur RWE Gas AG gehörenden Duisburger Gasimporteurs. Die Stromwirtschaft ist mit ihrer im Dezember vereinbarten "Verbändevereinbarung zwei plus" schon einen Verhandlungsschritt weiter. Auch dort wird inzwischen an einer erweiterten Version gearbeitet. Der Zusammenbruch des auch in Deutschland tätigen US-Energiehändlers Enron hat dem deutschen Gasmarkt nach Heinrichs Worten geschadet. "Das kleine Pflänzchen der Wechselbereitschaft der Kunden ist dadurch nicht gerade gedüngt worden", sagte er. Zusammen mit der Verbändevereinbarung für Strom könne die Gasvereinbarung nun doch noch Bestandteil des neuen Energiewirtschaftsgesetzes werden, zeigt sich Heinrich überzeugt. Diese in Kreisen der Gaswirtschaft gewünschte "Verrechtlichung" von privatwirtschaftlich vereinbarten Regelungen ist dem Bonner Kartellamt ein Dorn im Auge. Damit wäre den etablierten Unternehmen weitgehend der Anreiz genommen, die Verbändevereinbarungen angesichts unzureichender Marktergebnisse weiter zu entwickeln, hatte Amtspräsident Ulf Böge vor kurzem erklärt.

Absatzsteigerung erwartet

Für das Geschäftsjahr 2002 erwartet Thyssengas nach den Worten von Mitgeschäftsführer Bernhard Witschen eine etwa zehnprozentige Absatzsteigerung. Die Margen im Gas-Geschäft dürften allerdings durch den zunehmenden Wettbewerb kleiner werden. Im abgelaufenen Jahr habe Thyssengas den Erdgasabsatz dank des ungewöhnlich kühlen Wetters um knapp zwei Prozent auf 69 Mrd. Kilowattstunden gesteigert. Der Umsatz stieg um 400 Mill. ? auf 1,4 Mrd. ?. Der Jahresüberschuss habe um fünf Mill. ? auf 25,2 Mill. ? zugelegt.

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