Enron hat Investoren vorsichtig gemacht
Wall Street schließt im Minus

Sorgen der Anleger um mögliche Bilanz-Unregelmäßigkeiten weiterer US-Unternehmen haben die Blue Chips an der Wall Street am Dienstag auf den tiefsten Stand seit Mitte November 2001 gedrückt.

rtr NEW YORK. Die Investoren seien nach dem Kollaps des Energiehändlers Enron vorsichtig geworden, sagten Händler. Die Ankündigung des Energiehandelskonzerns Williams Cos., er wolle seinen kompletten Quartalsbericht erst in einigen Wochen vorlegen und auf eine Studie zur Ex-Tochter Williams Communications warten, habe die Anleger verschreckt. Der Dow-Jones-Index schloss 2,51 % schwächer auf 9618,24 Punkten. Der Nasdaq-Index verlor 2,62 % auf 1892,98 Zähler, der breiter gefasste S&P-500-Index gab 2,86 % auf 1100,64 Punkte nach.

"Enron hat jeden geschockt und gezeigt, was echte Bilanzierung ist", sagte James Volk, stellvertretender Leiter Institutioneller Handel bei D.A. Davidson & Co. "Wenn sie (die Anleger) nicht wissen, was passieren wird, dann verkaufen sie Aktien. Es gibt noch viel uninvestiertes Geld, und die Leute werden einsteigen, wenn sie etwas Stabilität sehen."

Der Energiehändler und Pipeline-Betreiber Williams Cos. hatte zuvor mitgeteilt, das Unternehmen wolle zunächst eine Studie über seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der in die roten Zahlen geratenen Ex-Tochter Williams Communications abwarten, bevor ein ausführlicher Quartalsbericht veröffentlicht werde. Williams-Chef Steve Malcolm begründete diesen Schritt mit der jüngsten Herunterstufung der Verbindlichkeiten der Tochter und dem Antrag auf Gläubigerschutz der Telekommunikationsfirma Global Crossing vom Montag. Die Aktien von Williams Cos. gaben 22,2 % auf 18,78 Dollar nach.

Spekulationen über die Bilanzierungspraktiken und Skepsis über den Aufspaltungsplan belasteten nach Händlerangaben die Aktien des US-Industriekonglomerats Tyco, die rund 19,9 % auf 33,65 Dollar einbrachen. Der Medizintechnikproduzent C.R. Bard hatte am Dienstag mitgeteilt, derzeit werde mit Tyco über eine Neubewertung der angestrebten Übernahme diskutiert. Tyco hatte vorige Woche die Aufspaltung in vier Unternehmen angekündigt

Die Titel des Anbieters von Telefondienstleistungen, WorldCom, verloren 13,33 % auf 10,40 Dollar. Händler nannten Spekulationen um eine mögliche Herabstufung der Verbindlichkeiten des Unternehmens als Grund für die Kursverluste.

Unerwartet starke US-Konjunkturdaten konnten die Kurse nach Händlerangaben nur im frühen Geschäft beflügeln. Der im Dezember um zwei Prozent gestiegene US-Auftragseingang für langlebige Güter sei ein weiteres Zeichen einer Konjunkturerholung, hieß es. Analysten hatten vorher nur mit einem Auftragsplus von 1,3 % gerechnet. An der New York Stock Exchange wechselten insgesamt rund 1,76 Mrd. Aktien den Besitzer, dabei überwogen 2164 Verlierer 943 Gewinner, und 195 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,84 Mrd. Aktien 2427 Titel im Minus, 1176 im Plus und 279 unverändert.

Am US-Rentenmarkt notierten die richtungweisenden zehnjährigen Bonds zuletzt 24/32 höher mit 100-6/32 Punkten und erbrachten eine Rendite von rund 4,97 %. Die 30-jährigen Titel stiegen 31/32 auf 99-19/32 und rentierten mit 5,40 %.

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