Enron und die Nachwehen belasten weiterhin Firmenbonds
Unternehmensanleihen bleiben riskant

"Enron überschattet noch alles", sagt Uwe Burkert, Leiter des Credit Researchs bei der Landesbank Baden-Württemberg. Der Europäischer Markt wird zusätzlich noch durch die Deutsche Telekom und France Télécom gedrückt.

cü FRANKFURT/M. Selbst die Rating-Agenturen hatten die trickreiche Buchführung des verschachtelten US-Energiekonzerns nicht durchschaut. Kurz bevor der Konzern Insolvenz anmeldete, hatten sie Enron noch am unteren Rand der sicheren Investitionsklasse eingestuft und die Investoren verunsichert.

Noch stärker als Enron belasteten Anfang 2002 die Konkurse des US-Telekomkonzerns Global Crossing und der Einzelhandelskette K-Mart die Märkte für Unternehmensanleihen, meint Thorsten Weinelt, der das Credit Research bei der Hypo-Vereinsbank leitet. Das schlug sich in volatilen Anleihekursen nieder. Den Experten zufolge werden die Kurse auch noch eine Weile stark schwanken - zumal der Höhepunkt der Unternehmenspleiten nach Ansicht der Rating-Agenturen Standard & Poor?s und Moody?s voraussichtlich erst im ersten Halbjahr diesen Jahres erreicht wird.

Ein Grund ist die Angst vor Bilanztricks. Diese zogen schon die Aktien- und Anleihekurse von Unternehmen wie Tyco, IBM und Qwest in die Tiefe. Auch gegen die insolvente Global Crossing und K-Mart ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC wegen Zweifel an den Bilanzierungspraktiken.

US-GAAP im Zwielicht

Davon könnten die Anleihen europäischer Unternehmen profitieren, sagt Simone Büttner, Analystin für Unternehmensanleihen bei der WGZ Bank. "Investoren greifen derzeit eher auf Anleihen von Unternehmen zurück, deren Rechnungslegungsvorschriften sie kennen", meint sie. In der Tat sind die Bilanzregeln nach US-GAAP ins Zwielicht geraten. "US-Unternehmen müssen jetzt daran arbeiten, wieder das Vertrauen der Investoren zu gewinnen, sagt Crispin Southgate, Kreditstratege bei Merrill Lynch.

Dabei kommen inzwischen jedoch auch bei europäischen Unternehmen wie jüngst Fiat Ängste vor geschönten Bilanzen auf. Weinelt von der Hypo-Vereinsbank glaubt jedoch, das dies auf wenige Unternehmen beschränkt bleibt und insgesamt wenig Auswirkungen auf die Märkte haben wird. Vielmehr profitiere der Markt für europäische Unternehmensanleihen von der wachsenden Nachfrage, die in diesem Jahr auf weniger Angebot treffen werde als im Rekordjahr 2001, in dem laut Dresdner Kleinwort Wasserstein Corporate Bonds über mehr als 190 Mrd. Euro neu begeben wurden. Für 2002 rechnet die Investmentbank mit einem Rückgang um bis zu 30 Prozent.

Deutschen Telekom und France Télécom droht Herabstufung

Belastet wird europäische Markt für Unternehmensanleihen dagegen laut Weinelt und Burkert durch die negativen Schlagzeilen bei der Deutschen Telekom und France Télécom. Den Konzernen drohen beim Rating weitere Herabstufungen, weil der für dieses Jahr geplante Schuldenabbau nicht mehr realisierbar scheint. Hier sehen Experten jedoch zum Teil schon wieder Einstiegschancen. Bei US-Unternehmen finden sich derzeit Bonds von Ford auf vielen Empfehlungslisten für risikofreudige Investoren. Die Papiere waren nicht nur wegen der allgemeinen Unsicherheit, sondern auch wegen schlechter Unternehmensnachrichten unter Druck geraten. So ist zum Beispiel der Kurs der am 6. Juni 2006 fälligen Ford-Anleihe auf etwas über 97 Prozent gesunken, nachdem er im November noch bei über 100 Prozent lag.

Konservative Anleger sollten mit Neuengagements, egal ob bei europäischen oder US-Unternehmen jedoch noch etwas warten, meint Büttner von der WGZ Bank. Die Schwankungen seien zur Zeit einfach noch zu groß und unberechenbar.

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