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Enron verkleinert Aufsichtsgremium

Der bankrotte US-Energiehändler Enron hat sein Aufsichtsgremium, das Board of Directors, im Zuge der Neuorganisation des Konzerns verkleinert.

rtr HOUSTON. Sechs der 14 Board-Mitglieder würden die Firma binnen 30 Tagen verlassen, teilte Enron in der Nacht zum Mittwoch mit. Unterdessen geht das Unternehmen davon aus, dass die bisherigen Enron-Aktionäre keine Anteile am neu strukturierten Konzern erhalten werden.

Angesichts undurchsichtiger Bilanzierungs- und Finanzpraktiken von Enron wird dem Board bereits seit Wochen mangelnde und nur lückenhafte Aufsicht vorgeworfen. Konzernchef Kenneth Lay war im Januar von seinen Posten als Chief Executive Officer (CEO) und Chairman zurückgetreten.

Unter den sechs ausgeschiedenen Board-Mitgliedern ist auch der Wirtschaftswissenschaftler Robert Jaedicke, ehemals Dekan der Graduate School of Business an der renommierten Stanford University. Jaedicke hatte am vergangenen Donnerstag seine Aufsichtstätigkeit über die Enron-Finanzen vor dem US-Kongress verteidigt.

im Zuge der Reorganisation können die Enron-Aktionäre nach Ansicht des Unternehmens nicht auf eine Beteiligung an dem neuen Konzern hoffen. Die Ansprüche gegen das Unternehmen würden den fairen Marktwert seiner Aktivitäten und Vermögenswerte übersteigen, hieß es zur Begründung. Daher müssten die Interessen der Aktionäre hinter denen der Gläubiger zurückstehen. "Folglich glaubt Enron, dass das existierende Aktienkapital keinen Wert hat und auch nicht haben wird", teilte die Firma mit. Enron-Aktien, die im August 2000 noch bei 90 Dollar notiert wurden, liegen derzeit im außerbörslichen Handel bei rund 33 US-Cent.

Damit bleiben Aktionären nach Ansicht von Analysten nur noch zivilrechtliche Schritte, um Entschädigungen für ihre Investitionen zu bekommen. "Das bedeutet, dass Aktionäre, die sich am unteren Ende des Zweigs sahen, überhaupt nicht auf dem Zweig sind", sagte John Olson, Analyst bei der Houstoner Investmentbank Sanders Morris Harris. Olson rechnet mit erbitterten Kämpfen um eine gute Rückerstattung.

Enron war im vergangenen Jahr vom Börsenliebling zum Pleiteunternehmen geworden, nachdem Bilanzunregelmäßigkeiten zum Vertrauensverlust bei Investoren und Geschäftspartnern geführt hatten. Tausende Beschäftigte verloren durch den Bankrott ihre Arbeit und Rentenersparnisse. Derzeit untersuchen verschiedene Ausschüsse des US-Kongresses, das Justizministerium sowie die US-Börsenaufsicht die bislang größte Firmenpleite in den USA.

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