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Entfesselte Marktmacht?

Telekom-Unternehmen ächzen unter den Marktbedingungen. UMTS und Preiskämpfe fressen letzte Gewinne auf. Ob Regulierung, Deregulierung oder Re-Regulierung jetzt helfen, sagt A.T.Kearney Zentral-Europa-Chef Michael Träm (Foto).

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Was hat die Regulierung des Telekommunikationsmarktes von 1996 in Deutschland gebracht? Da sind zunächst einmal die Verbraucher. Sie freuen sich, denn Festnetz-Telefonieren ist seit 1998 erheblich billiger geworden. Seit die Regulierung dazu geführt hat, dass etliche Call-by-call-Anbieter im Wettbewerb zur Deutschen Telekom stehen, haben diese Anbieter günstige Preise am Markt etabliert. Das hat dazu geführt, dass auch die Telekom mit ihren Preisen den Kunden erheblich entgegen kommen musste. Auf der Kundenseite wäre also alles in bester Ordnung, wenn nicht die Neigung zum Mobiltelefonieren viel ausgeprägter wäre als die zum guten alten Festnetz. Trotz günstiger Preise im Festnetz ziehen die privaten Nutzer in Deutschland das mobile Telefonieren der stationären Telefonie oft vor. Der Festnetzumsatz liegt nur noch um ein paar Prozentpunkte höher als der Umsatz im Mobilfunk. Schauen wir auf die andere Seite: Wenn der Kunde zufrieden ist, wie sieht es dann bei den Unternehmen aus? Hat auch ihnen die Regulierung des Telekommunikationsmarktes etwas gebracht? Die günstigen Preise sind sicherlich nicht das, was den Unternehmen Freude bereitet, aber vielleicht gibt es andere, für die Anbieter positive Entwicklungen. Was ist mit den Wettbewerbsstrukturen, die zu schaffen Ausgangspunkt der Regulierung war? Welche Umsatzerwartungen dürfen die Erwerber der UMTS-Lizenzen hegen? Wettbewerbsklima nur bedingt verbessert Die Antworten auf diese Fragen sind zu komplex, um hier im einzelnen angeführt zu werden. Nur so viel: Die Unternehmen können mit dem Ergebnis der Regulierung in der bisherigen Form nicht zufrieden sein. Bisher hat sich das Wettbewerbsklima nur bedingt verbessert, und die Umsatze mit UMTS lassen noch auf sich warten. Stattdessen ist aber sicher, dass die hohen Investitionen in UMTS, die stagnierende Konjunktur und täglich komplexer werdende Kostenstrukturen den Telekommunikationsanbietern in Deutschland so zusetzen, dass sie den Erfolg der Regulierung inzwischen auch öffentlich in Frage stellen. Auch die Deutsche Telekom mit ihrer einzigartigen Sonderstellung hat schon besser dagestanden als gerade heute. Die Preisspirale, z.B. im Ortsnetz, darf sich nicht weiter nach unten drehen, weil das dazu führt, dass es den Unternehmen noch schlechter geht. Stattdessen wird qualifizierter Wettbewerb gebraucht, der zu langfristiger Stabilität führt - und um zu einem langfristig rentablen Telekom-Markt zu kommen, muss ein ebenso gewichtiger Schwerpunkt auf Investitionen gelegt werden. Zufriedene Kunden sind nicht alles Ist die Regulierung also noch ein Erfolg oder schon eine gescheiterte Initiative? Zufriedene Kunden sind offensichtlich nicht alles, wenn es um den Aufbau einer profitablen Industrie geht. Schaut man sich an, welche Initiativen von der EU angeregt werden, kann nur noch mehr Regulierung - aber auf mehr Wettbewerb ausgerichtete - dazu führen, dass sich der Standort Europa und auch der Standort Deutschland im Telekommunikationsbereich noch positiv entwickeln können. Tatsache ist, dass der Markt, der in Deutschland geöffnet werden sollte, heute bereits wieder rückläufig ist. Die Deutsche Telekom ist noch immer mit Abstand der größte Anbieter. Die kleineren Anbieter, die im Festnetz wie im Mobilfunk in der Lage waren, der Telekom aufgrund des Preiswettbewerbs und bestimmter gut geschnürter Produktpakete bestimmte Marktanteile abzujagen, sind gerade dabei, mühsam erkämpfte Marktanteile wieder abzugeben. Wenn die Regulierungsgesetzgebung in der bestehenden Form fortgeschrieben würde, wäre das für viele der kleinen Wettbewerber der Todesstoß. Spiel der Marktkräfte entfalten Aber sollte man wirklich in einem regulierten Markt nach noch mehr Regulierung rufen? Wollen wir denn nicht alle, dass sich endlich das freie Spiel der Marktkräfte entfaltet und sich endlich ein wirklicher Markt mit Angebot und Nachfrage entwickelt? Diese Fragen sind plausibel und werden dieser Tage auch immer wieder gestellt. Aber, sie gehen am eigentlichen Thema vorbei, denn Marktregulierung ist gerade dann ganz besonders von Nöten, wenn es ohne Regulierung gar keinen Markt gäbe, so wie das bei einem ehemaligen Staatsmonopol nun einmal der Fall ist. Deshalb, auch wenn es merkwürdig klingt: Marktwirtschaftler für mehr Wettbewerb und in diesem Fall auch für mehr Regulierung! Der Medien- und Telekommunikationsstandort Deutschland kann es gebrauchen und auch der Deutschen Telekom kann es nicht wirklich Unrecht sein. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, und davon können alle Player viel gebrauchen. (*) Dr. Michael Träm ist Sprecher der Geschäftsleitung von A.T. Kearney Central Europe. Lesen Sie mehr über den Zentral-Europa-Chef von A.T. Kearney in seinem Portrait weiter ...

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