Entführungen in der Wüste
Die Bundesregierung schweigt eisern

Im Geiseldrama in der algerischen Wüste geht es um Leben oder Tod. Deshalb schweigt die Bundesregierung weiter eisern zu jeglichen Einzelheiten über das Schicksal der noch vermissten 15 Wüsten-Urlauber, unter denen auch 10 Deutsche sind. "Kein Kommentar zu jeglichen Medienberichten" - an diese Devise hielt sich Berlin auch am Montag, als Hoffnung verheißende Berichte über eine Befreiungsaktion der algerischen Sicherheitskräfte aus Algerien nach Europa gelangten. Kein Kommentar aber auch, als das algerische Militär am Abend dann offiziell dementierte.

HB/dpa DÜSSELDORF/BERLIN. Faktisch wurde in Deutschland eine Nachrichtensperre über das Entführungsdrama verhängt. Im Dunkeln bleibt dabei auch der Informationsstand der Bundesregierung. Die Schweiz erhielt nach Angaben des Außenministeriums in Bern das offizielle Dementi der algerischen Behörden bereits am Montagmittag. Das Auswärtige Amt äußerte sich nicht.

Wie gut funktioniert der Draht Berlin-Algier? Immerhin hatte Außenminister Joschka Fischer zu Beginn der vergangenen Woche zehn Stunden mit der algerischen Staatsführung in Algier konferiert. Und Bundeskanzler Gerhard Schröder verwies auch am Montag auf die enge Zusammenarbeit zwischen den algerischen und deutschen Behörden.

Doch das Geiseldrama ist ein schwieriger Fall. Deutsche Sicherheitsexperten sind zwar in Algier und halten dort Kontakt zu den Behörden. Doch mehr als 1000 Kilometer entfernt, in der Wüste, ist angeblich kein deutscher Beamter. Die Bundesregierung ist auf die Informationen der algerischen Seite angewiesen. Dem Vernehmen nach wäre Berlin von Algier informiert worden, wenn es eine Militäraktion gegeben hätte. Die Telefondrähte zwischen Algier und Berlin laufen in diesen Tagen heiß. Das war auch am Montag der Fall.

Der Kanzler jedenfalls bestätigte die Berichte über eine Befreiungsaktion am Montagnachmittag nicht. Und er bat die Medien, erst dann zu berichten, "wenn es etwas Positives zu berichten gibt". Außenminister Fischer war zugleich in Brüssel sichtlich verärgert über die Medienberichte. Für Fischer ist alles "ganz einfach". Es müsse doch Verständnis dafür geben, dass die Bundesregierung Presseberichte im Interesse der Vermissten "schlicht und einfach" nicht kommentiere.

Ein Grund könnte sein, dass Berlin mit dieser äußersten Zurückhaltung vermeiden will, dass die Entführer Informationen zugespielt bekommen, die die Geiseln gefährden könnten. Denn in der Wüste soll zum Beispiel auch die Deutsche Welle auf arabisch zu empfangen sein.

Die Spekulationen über die Vorgänge in der Sahara schießen derweil weiter ins Kraut. Am Montag soll in der Wüste dem Vernehmen nach den ganzen Tag aber gar nichts passiert sein.

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