Entgegen der Meinung der Analysten stiegen die Produktionszahlen
Analyse: Deutsche Industrie mit gestiegenen Produktionszahlen

Reuters FRANKFURT. Die Industrieproduktion in Deutschland ist im Januar zwar gestiegen, doch rechnen Analysten wegen zuletzt niedrigerer Auftragseingänge und der schwachen US-Wirtschaft mit einer Wachstumsabkühlung im Jahresverlauf. Im Januar habe sich die Produktion vor allem wegen eines Zuwachses im Verarbeitenden Gewerbe zum Vormonat um 0,9 % erhöht nach einem Plus von 0,2 % im Dezember, teilte das Finanzministerium am Freitag in Berlin mit. Analysten hatten ein Minus von 0,1 % prognostiziert. Der Zuwachs habe sich fast gleichermaßen auf die alten (plus 0,9 %) und die neuen (plus 0,7 %) Bundesländer verteilt. Das Bauhauptgewerbe verzeichnete nach der jüngsten Erholung ein deutliches Minus von 8,2 %. Die EZB werde ihre abwartende Haltung beibehalten und erst ab April die Zinsen senken, sagten die Experten.

"Ausschlaggebend für die positive Entwicklung im Januar war ein ansehnlicher Produktionszuwachs im Verarbeitenden Gewerbe (plus 2,1 %), heißt es in der Mitteilung des Ministeriums. Auf Basis von Bundesbank-Daten ergibt sich nach Reuters-Berechnungen ein Plus zum Januar 2000 von 6,6 %, was die Analysten-Prognosen von 5,4 % übertraf.

Industrieproduktion werde sich merklich abkühlen

Analysten gehen davon aus, dass sich die Industrieproduktion im Jahresverlauf merklich abkühlen wird. "Die Industrieproduktion ist eher ein nachläufiger Indikator. Das Plus im Januar resultiert wohl aus dem Abbau der Großaufträge zum Jahresende 2000", sagte Hans-Jürgen Meltzer von der Deutschen Bank Research. Wie viele andere Volkswirte verweist Meltzer auf die schwachen Auftragsdaten zum Jahresbeginn, die sich in den nächsten Monaten auch in einer niedrigeren Industrieproduktion niederschlagen würden. Am Mittwoch hatte das Finanzministerium für Januar vor allem wegen einer schwachen Auslandsnachfrage einen Rückgang bei den Auftragseingängen um 3,9 % zum Vormonat gemeldet. Das Statistische Bundesamt hatte in der vergangenen Woche die Wachstumszahlen für das zweite Halbjahr 2000 deutlich nach unten revidiert.

"Man kann nur von einem guten Auftakt sprechen, aber Tatsache bleibt, dass wir allein wegen des das schwachen zweiten Halbjahrs 2000 rund 0,25 %punkte beim Wachstum 2001 verlieren werden", sagte Meltzer. Er rechnet für 2001 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,0 % in Deutschland nach 3,0 % 2000.
Ähnlich beurteilte Sarah Lütgert von HSBC Trinkaus & Burckhardt die Daten: "Sie sind ein nachlaufender Indikator, und die Auftragseingänge sowie der Ifo-Geschäftsklimaindex zeigen, dass die Konjunkturdynamik nachlässt." Der Ifo-index war zwar zuletzt gestiegen, doch die meisten Experten sehen darin ebenso wie das Münchener Institut selbst noch keinen Trend.

EZB will neutrale Zinspolitik fortsetzen

Die EZB werde ihre neutrale Haltung in der Zinspolitik fortsetzen und zumindest auf kurze Sicht die Zinsen nicht senken, sagten Analyten. "So wie sich die Zahlen aber nun darstellen, gibt es keinen Handlungsbedarf für die EZB", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin.

Im weniger schwankungsanfälligen Zweimonatsvergleich (Dezember/Januar zum Oktober/November) sei die Gesamterzeugung um 1,0 % gewachsen. In dieser Betrachtung sei die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe um 1,6 % gewachsen, und die Erzeugung im Bauhauptgewerbe um 1,1 % gesunken. Beim Zwei-Monatsdurchschnitt fallen zufällige Schwankungen weniger ins Gewicht, was die konjunkturelle Tendenz besser erkennen lässt. In den einzelnen Untergruppen des Verarbeitenden Gewerbes verbuchten die Investitionsgüterproduzenten ein Plus von 3,8 % im Zweimonatsvergleich, gefolgt von Gebrauchsgüterproduzenten mit 1,9 % sowie Vorleistungsgüter mit Plus 1,1 %. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhte sich die Gesamtproduktion um 8,1 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%