Enthemmt
Spiegel: Antisemitismus in Deutschland hat zugenommen

dpa DÜSSELDORF/BERLIN. Im ersten Jahr seiner Amtszeit hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, einen deutlichen Anstieg des Antisemitismus in Deutschland festgestellt. Der Antisemitismus stelle sich in den vergangenen Monaten in einer kaum vorstellbaren "enthemmten Art und Weise dar", sagte Spiegel. Er fügte hinzu: "Ich spreche nicht von anonymen Briefen, ich spreche von Briefen mit voller Namensnennung, von E-Mails, von öffentlichen Veranstaltungen." Der Antisemitismus "grassiert mittlerweile in elitären Zirkeln. Man wirft in der feinen Gesellschaft, nicht am Stammtisch, vor, dass ich Antisemitismus erzeuge, dass die Juden Deutschland wieder aussagten, weil sie das Mahnmal forderten oder jetzt die Entschädigungszahlungen. Die interessiert gar nicht, dass wir das Mahnmal nicht verlangt haben, oder das nur 15 % der entschädigungsberechtigten Zwangsarbeiter Juden sind", sagte Spiegel. Auch die persönlichen Beschimpfungen hätten zugenommen, schildert Spiegel, der am 9. Januar des zu Ende gehenden Jahres sein Amt antrat. "Bis zum Sommer waren in der Post zwei bis drei % Beschimpfungen. Heute sind es 30 %."

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