Archiv
Entlassen oder motivieren

Die High-Tech Industrie steckt im Dilemma. Der Markt verlangt Kostensenkungen, aber radikale Personalschnitte gefährden zukünftiges Wachstum. Sun-Geschäftsführer Dr. Helmut Wilke (Foto) zeigt einen Ausweg.

Geben Sie Ihren Kommentar zum Beitrag von Dr. Helmut Wilke ab ...

Wo vor 24 Monaten noch Umsatzsteigerungen von 30% und mehr pro Quartal erreicht wurden und die Unternehmenskurse in astronomische Höhen getrieben wurden, geht es heute mit gleichem Schwung bergab. Diese Situation bringt fast alle Unternehmenslenker der Szene zum schwitzen. Sie reagieren darauf oft mit einschneidenden Personalentscheidungen. Spagat zwischen Investoren und Mitarbeitern Wir stehen vor der Aufgabe, den Spagat zwischen den Erwartungen der Aktionäre und institutionellen Investoren auf der einen Seite und der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern auf der anderen Seite zu meistern. Die Lösungswege für dieses Dilemma sind nicht trivial, denn Rendite und Aktienwertzuwachs sind ebenso erstrebenswert wie die Arbeitskraft der hochqualifizierten Mitarbeiter. Zudem gebietet es die Firmenethik, nicht sofort Menschen zu entlassen, wenn eine Umsatzdelle auf die Kosten drückt. Gesellschaftlicher Wandel Die Gesellschaft wandelt sich zur Zeit von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft. Für die Unternehmen bedeutet das, dass ihre Mitarbeiter nicht mehr ohne weiteres ersetzbar werden und ihre Arbeitskraft nicht mehr austauschbar ist. Bei einem informationsorientierten Unternehmen, und das sind die meistens der High Tech Branche, sind Mitarbeiter die entscheidenden Wissensträger, und somit gleich mit dem Kunden das wichtigste Asset des Unternehmens. Ein leichtfertiger Umgang mit dieser Ressource unter Kostengesichtspunkten verbietet sich. Da stellt sich die Frage, wie sehen Lösungen aus? Eine mögliche Lösung wäre zum Beispiel den potentiellen Wachstumsmöglichkeiten als Unternehmen nicht gerecht zu werden. Das würde bedeuten, keine neuen Mitarbeiter in Zeiten des Hypes einzustellen und auf zusätzliches Wachstumspotenzial zu verzichten, um in Zeiten der Rezession stabil dazustehen. Durchhalten auf Kosten der Investoren Diese Strategie würde ein gesundes Wachstum von Unternehmen im einstelligen Prozentbereich bedeuten. Aus heutiger Sicht vielleicht eine verlockende Perspektive. Aber vor zwei Jahren waren die Aktionäre mit Gewinnen aus Börsengeschäften von unter 25% per Anno unzufrieden. Eine weitere Lösung könnte es aber auch sein, diese Wachstumsmöglichkeiten auszunutzen und bewusst das Risiko einzugehen eventuelle Dürreperioden auch mal mit roten Zahlen, aber mit einer starken Mannschaft und hoch motivierten Mitarbeitern durchzustehen - zu Lasten der Investoren. Für die Shareholder, Analysten und Anleger eine wenig reizvolle Strategie. Diese Spannung zwischen Investoren und langfristigem Unternehmenspotential gilt es zu managen. Dies ist in Zeiten extremer Marktvolatilität allerdings ein besonderer Balanceakt. Welche Seite hier recht behalten sollte, bleibt letztlich ein offener Diskussionspunkt. Eins ist aber sicher: Für ein Unternehmen wie Sun und auch andere innovative Unternehmen, steht und fällt die langfristige Zukunft mit der Motivation und dem Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter. Die Aktionäre und Investoren haben die Aufgabe, den Nährboden für die Gewinne von morgen und übermorgen aufzubereiten. (*) Dr. Helmut Wilke war bisher in verschiedenen Positionen in der IT-Branche tätig. Er ist seit 1. Mai 2001 Geschäftsführer und Vizepräsident der Sun Microsystems GmbH. Lesen Sie mehr über den Sun Microsystems Deutschland-Chef in seinem Portrait weiter ...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%