Entlassungswelle bei Allianz-Tochter betrifft Retailbereich nur wenig
Privatkunden erfreuen Dresdner Bank

Das Privatkundengeschäft zählt zu den Lichtblicken der schwer angeschlagenen Dresdner Bank. Die Rosskur der letzten Jahre zeigt erste Erfolge. Das Institut peilt eine Rendite vor Steuern von 30 Prozent an. Von dem neuerlichen Stellenabbau in der Bank wird das Filialgeschäft daher nur am Rande betroffen sein.

HB FRANKFURT/M. Die Dresdner Bank will im Privatkundengeschäft die Früchte ihres vor zweieinhalb Jahren eingeleiteten Sparkurses einfahren und die Rendite verdreifachen. "In einem normalen Marktumfeld wollen wir eine Rendite vor Steuern von 30 % erreichen", kündigte Andreas Georgi, Vorstand des Bereiches Private Kunden und Geschäftskunden der Allianz-Tochter, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt an.

Im ersten Halbjahr 2002 verdiente diese Sparte 148 Mill. , was einer Rendite von 12 % entspricht. Angesichts des schwierigen Marktumfelds ist Georgi damit zufrieden. Immerhin verdiente der Bereich seine Kapitalkosten, die innerhalb der Allianz-Gruppe mit 9,5 % veranschlagt werden. Die Rendite-Marke von 30 % soll bereits in zwei Jahren erreicht werden, sofern sich die Lage an den Börsen normalisiert. Auf kurze Sicht ist Georgi hier aber pessimistisch: "Der Rest dieses Jahres und auch das erste Halbjahr 2003 werden sehr schwierig".

Das Privatkundengeschäft ist bei allen deutschen Großbanken seit einiger Zeit ein Sorgenkind und gilt im europäischen Vergleich als wenig ertragstark. In der Gruppe der deutschen Großbanken steht die Dresdner allerdings noch relativ gut da. Sowohl die Commerzbank als auch die Hypo-Vereinsbank verloren im vergangenen Jahr Geld mit ihren Privatkunden. Erst recht innerhalb der eigenen Bank gehört das Filialgeschäft zu den seltenen Lichtblicken: Die zweite große Säule des Konzerns, Corporates & Markets (Firmenkunden und Investmentbanking), steckt tief in den roten Zahlen. Insgesamt bescherte die Dresdner der Allianz im ersten Halbjahr einen Verlust von einer Mrd. . Deshalb kommt es zu Anpassungen. Nach Informationen aus Finanzkreisen müssen etwa die Hälfte der Mitarbeiter in den Bereichen Neuer Markt und Emerging Companies gehen. Es handele sich allerdings um weniger als zehn Leute. Die Aktivitäten rund um den Neuen Markt werde die Bank weiterführen, heißt es.

Anders im Filialgeschäft: Hier zahlt sich nach Einschätzung Georgis jetzt aus, dass die Bank bereits auf dem Höhepunkt des Börsenbooms und damit früher als die Konkurrenz auf einen drastischen Sparkurs einschwenkte. Im Mai 2000 hatte die Dresdner ein erstes Sparpaket aufgelegt, das 2001 noch einmal verschärft wurde. Im Zuge der Rosskur schloss sie 300 Filialen und verlagerte die Abwicklung der Bankgeschäfte (Back office) aus den Zweigstellen in bundesweit zehn Service-Zentren. Parallel baute die Bank 2500 Stellen ab; bis Ende nächsten Jahres sollen weitere 1600 folgen. Bis heute seien die jährlichen Kosten um 120 Mill. gesunken, sagte Georgi. Bis zum Jahr 2004 sollen noch einmal 100 Mill. eingespart werden. Damit ist die Bank mit rund fünf Millionen Privatkunden und 850 Filialen nach Ansicht des Vorstands auch bei schwierigen Börsenlagen wetterfest: "Früher konnten wir nur bei Rückenwind gut segeln - jetzt sind wir auch für Gegenwind gerüstet."

Bedarf für weitere einschneidende Sparprogramme sieht Georgi trotz der schlechten Marktlage nicht. "Derartige Restrukturierungen kann man nicht permanent machen". Auch von dem neuerlichen Sanierungsplan der Dresdner wird das Privatkundengeschäft nur am Rande betroffen. Konzernchef Bernd Fahrholz will am Donnerstag Einzelheiten des im August angekündigten Abbaus von bis zu 3 000 Stellen bekannt geben. Schon jetzt ist aber klar, dass davon neben der Konzernzentrale vor allem die Geschäftssparte Corporates & Markets betroffen sein wird. Im Privatkundengeschäft dürfte sich der Abbau auf einige Hundert Stellen beschränken. Allerdings werde das Filialnetz auch künftig an die Bedürfnisse der Kunden anpasst, sagt Georgi. Die Cost-Income-Ratio soll auf deutlich unter 70 % gedrückt werden. Im ersten Halbjahr wurden für jeden Euro Umsatz im Privatkundengeschäft noch 0,84 ausgegeben.

Von der Übernahme durch die Allianz erhofft sich Georgi kräftige Impulse für seinen Geschäftsbereich: "Das Potenzial der 17 Millionen Kunden der Allianz ist der zentrale Punkt unserer Wachstumsstory". Die Allianz hatte die Dresdner 2001 übernommen. Mittlerweile arbeiten 110 Anlageberater der Bank in den Versicherungs-Agenturen der Allianz, bis Jahresende werden es 200 sein. Im ersten Halbjahr gewann die Dresdner deshalb 6000 neue Kunden. Umgekehrt werden in den Bankfilialen Allianz-Versicherungen verkauft. Mittlerweile sitzen 850 Versicherungsexperten in den Dresdner-Bank-Filialen, die im ersten Halbjahr diesen Jahres über 60 000 Policen an den Mann brachten. Trotz aller Rückschläge nach der Fusion mit der Dresdner Bank kommt Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle im Privatkundengeschäft seinem Ziel eines "integrierten Finanzdienstleisters" deutlich näher.

Quelle: Handelsblatt

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