Entlassungswelle beim Bezahlfernsehen
Premiere sucht nach einem Ausweg

Die Insolvenz hängt wie ein Damoklesschwert über Premiere. Noch ist keine Lösung für den verlustreichen Bezahlsender aus dem bedrohten Kirch-Imperium in Sicht.

hps DÜSSELDORF. "Die Gespräche mit den Gesellschaftern dauern an", erklärte am Donnerstag ein Unternehmenssprecher.

Die Verhandlungen laufen offenbar auf vier Ebenen. Zum einen sprechen die Premiere-Gesellschafter Kirch und Murdoch mit potenziellen Investoren, zum anderen diskutieren Interessenten mit den Banken. Außerdem verhandelt Premiere-Chef Georg Kofler mit der eigenen Dachgesellschaft Kirch Pay TV und mit den Finanzinstituten.

Ob noch in dieser Woche ein Insolvenzantrag gestellt wird, ist völlig unklar. Aus der Kirch-Gruppe gibt es widersprüchliche Signale. "Jetzt schlägt die Stunde der Anwälte", erklärte ein Insider.

Unterdessen rollt die Entlassungswelle. Mehrere Hundert Mitarbeiter hätten bereits die Kündigung erhalten, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen. Doch viele dieser Kündigungen seien noch nicht wirksam. Bis Ende des Jahres soll die Zahl von derzeit 2 500 Angestellten um 800 reduziert werden. Voriges Jahr hatte Premiere einen operativen Verlust von 962 Mill. Euro eingefahren. Der Schuldenstand beläuft sich auf etwa eine Mrd. Euro. Der Umsatz hingegen lag 2001 lediglich bei 813 Mill. Euro.

Trotz der katastrophalen Finanzsituation verfügt Premiere weiter über liquide Mittel. Wie gestern aus der Branche zu erfahren war, bezahlt das Pay-TV-Unternehmen weiter seine Rechnungen. An Premiere ist die Taurus-Holding zu 69,75 % und das britische Medienunternehmen BSkyB zu 22,03 % beteiligt. Am Montag hatte die Kirch Media, Herz des Münchener Medienkonzern, Insolvenzantrag gestellt.

In Bankenkreisen geht man davon aus, dass der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, der über BSkyB an Premiere und über die News. Corp an der Kirch Media beteiligt ist, kein Interesse an einer Insolvenz des Bezahlfernsehens hat. Denn dadurch könnte auch die Dachgesellschaft der Kirch-Gruppe, die Taurus Holding, vor dem Aus stehen. Damit wäre Murdochs Recht, seinen Premiere-Anteil im Herbst für rund 1,7 Mrd. Euro an Kirch zurückzugeben, praktisch wertlos.

In der Branche gelten vor allem die US-Filmstudios wie Paramount, Disney, Universal oder Columbia als Premiere-Interessenten. Zu den potenziellen Käufern zählt angeblich auch Herbert Kloiber. Dessen Medienkonzern, die Tele-München-Gruppe, besitzt die zweitgrößte Filmbibliothek in Deutschland. Kloiber - Kirch in langer Feindschaft verbunden - gilt als Anhänger des Bezahlfernsehens. Dem Filmrechte-Händler werden ausgezeichnete Kontakte zu den bedeutenden US-Medienhäusern nachgesagt.

Quelle: Handelsblatt

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