Entlassungswelle im Investmentbanking
JP Morgan Chase streicht 4 000 Stellen

Die Krise der Investmentbanken fordert weitere Arbeitsplätze. Die angeschlagene US-Bank JP Morgan will weitere 4 000 Mitarbeiter entlassen. Der zweitgrößten amerikanischen Bank machen das schwache Börsenumfeld, faule Kredite und Klagen infolge der Pleite des Energiehändlers Enron zu schaffen.

NEW YORK. Die zweitgrößte US-Bank JP Morgan Chase wird nach Medienberichten noch in diesem Monat 4 000 Investmentbanker entlassen. Das ist ein Fünftel der insgesamt 20 000 Investmentbanker, die J.P. Morgan derzeit beschäftigt. Die Arbeitsplätze sollen in den Bereichen Fusionen und Übernahmen (M&A), Börsengänge, Auflage von Anleihen und Unternehmenskrediten abgebaut werden.

Die Entlassungen kommen nicht völlig unerwartet: Die Bank mit Sitz in New York hatte bereits im September gewarnt, dass die Ergebnisse im dritten Quartal deutlich niedriger ausfallen würden. Als Grund hatte JP Morgan vor allem die schwachen Handelsumsätze und die faulen Kredite von Telekomunternehmen genannt. Der Vorstandsvorsitzende William Harrison kündigte an, dass er Kosten senken werde, um dem Aktienkurs wieder auf die Sprünge zu helfen. Allein in diesem Jahr hat das Papier 55 % seines Wertes verloren

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Mit dem neuen Stellenabbau stiege die Zahl der Entlassungen auf insgesamt 14 000, seit Chase Manhattan Corp. die Investmentbank JP Morgan & Co. Ende des Jahres 2000 - mitten im Börsenboom - übernommen hat. Damit erreicht die Zahl der Entlassungen fast die Zahl der Mitarbeiter, die JP Morgan vor der Übernahme beschäftigte.

Die Bekanntgabe der Entlassungen wird am 16. Oktober erwartet, wenn die Bank ihre Quartalsergebnisse veröffentlicht. Nach Schätzungen von Analysten wird die Investmentbank wenn überhaupt nur knapp die Gewinnschwelle erreichen. Im vergangenen Quartal verbuchte die Bank noch mehr als 1 Mrd. Dollar Gewinn. Verschiedene Investmentbanken haben ihre Ergebnisse bereits vorgelegt. Doch trotz schwacher Resultate war der Einbruch bei keiner Bank so drastisch wie er jetzt bei JP Morgan erwartet wird.

"Eine Kostensenkung dieser Größenordnung ist ein großer Schritt in die richtige Richtung, sagte Tim Ghriskey, Fondsmanager von Ghriskey gegenüber Bloomberg über die geplanten Entlassungen. Nur so seien die Ausgaben der Bank mit ihrem derzeitigen Umsatzniveau auf eine Linie zu bringen. Nach Angaben der Behörde für Arbeitsmarkt-Statistiken haben die Wall Street-Firmen seit dem Industrieboom vor anderthalb Jahren bereits 54 000 Menschen entlassen. Experten halten eine dritte oder vierte Entlassungsrunde bei vielen Investmentbanken wegen der anhaltenden Flaute für wahrscheinlich. Guy Moszkowski, Analyst der Investmentbank Salomon Smith Barney prophezeite im September für seine Branche Stellenstreichungen in Höhe von 5 % bis 10 %.

Den Investmentbanken macht das schwache Börsenumfeld zu schaffen. Es fehlen die lukrativen Kommissionen für Börsengänge sowie Fusionen und Übernahmen. Bereits börsennotierte Firmen wollen mit ihren Aktien keine Zukäufe finanzieren, da ihre Papiere zu sehr an Wert verloren haben. Und Unternehmen, die noch nicht notiert sind, trauen sich nicht an die Börse, da sie kaum auf einen guten Preis hoffen können.

JP Morgan leidet zudem unter faulen Krediten der Telekom-Industrie: Die Bank hat der Branche in den Boom-Zeiten großzügige Kredite gewährt - in der Hoffnung, dadurch an das lukrative Investmentbanking-Geschäft der Kunden zu kommen. Wegen der Krise der Telekomindustrie und Skandalen um Worldcom und Global Crossing sind nun viele Kunden zahlungsunfähig. JP Morgan schätzt, dass die Kreditkosten für Abschreibungen und erhöhte Rückstellungen im dritten Quartal wahrscheinlich 1,4 Mrd.$ betragen werden. Diese Nachricht hatte die Investoren geschockt, die ohnehin um JP Morgan besorgt sind. Zum einen drohen der Bank Klagen wegen seiner Kredite an den bankrotten Energiekonzern Enron. Zum anderen ist die Bank besonders von der Krise in Argentinien betroffen. Zudem untersuchen verschiedene Regulierungsbehörden derzeit, in wie weit das Verbinden von Krediten und Investmentbanking-Geschäft legal war.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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