Entlastung auf der Verbraucherseite durch Liberalisierung der Märkte
Die Opec ist wieder ein wichtiger Akteur

DÜSSELDORF. Nach vielen Jahren der Ohnmacht ist die Opec wieder zum wichtigen Akteur auf den Weltölmärkten geworden. Den elf Mitgliedern der Organisation, die zusammen mehr als 40 % der Erdölproduktion der Welt beisteuern und auf die 60 % des internationalen Mineralölhandels entfallen, ist es in den vergangenen zwei Jahren gelungen, die Rohölpreise fast zu verdreifachen.

Noch im Februar 1999 rutschten die Rohölnotierungen auf die Zehn-Dollar-Marke herab; seither hat es einen kräftigen Preisschub nach oben gegeben. Trotz der schwächelnden Weltkonjunktur und deutlich nach unten gedrosselten Wachstumserwartungen beim Ölverbrauch pendelten die Erdölpreise im Durchschnitt dieses Jahres bisher zwischen 24 und 26 Dollar je Barrel (159 Liter). Dies ist zwar deutlich weniger als die Spitzennotierungen vom vergangenen Frühherbst mit 35 Dollar, aber auch wesentlich mehr, als noch Anfang des Jahres prognostiziert wurde.

Die Opec-Staaten haben in diesem Jahr ihre Produktionsquote bereits zweimal gekürzt, um preisdrückende Angebotsüberschüsse zu verhindern. Der preispolitische Erfolg wäre jedoch wahrscheinlich ausgeblieben, wenn nicht in den USA die befürchtete Benzinverknappung die Mineralölproduktpreise insgesamt nach oben getrieben hätte. Wegen des Leerkaufens internationaler Benzinmärkte durch die Amerikaner sind die Erdölerlöse auf breiter Front auf hohem Niveau stabilisiert worden.

Allerdings besitzen die Ölkosten bei weitem nicht mehr die Rolle als Inflationsverursacher und Konjunkturbremser wie in den frühen 70er-Jahren. Die Ölintensität (der Anteil des Mineralöls am Bruttosozialprodukt) ist in den vergangenen beiden Jahrzehnten stark rückläufig gewesen. Hinzu kommt, dass andere Energieträger dem Erdöl Marktanteile abgejagt haben. Lagen die Anteilswerte des Rohöls am Primärenergieverbrauch wichtiger Industrieländer vor 25 bis 30 Jahren noch bei mehr als der Hälfte, so sind es heute nur noch knapp 40 Prozent. Vor allem das Erdgas hat erheblich zulegen können und gilt inzwischen als Wachstumsenergieträger Nummer eins für die nächsten Jahre.

Noch kommt dem Mineralöl aber die Preisführerfunktion im Energiegeschäft zu. In Kontinentaleuropa sind die Erdgaspreise in den langfristigen Verträgen sogar an die Mineralölpreisentwicklung gekoppelt. Aber auch auf den Spotmärkten in Großbritannien und den USA bestehen enge Beziehungen zwischen der Entwicklung der Öl- und Gaspreise. In Nordamerika ist der Anstieg beim Erdgas sogar noch erheblich kräftiger ausgefallen als beim Erdöl. Die überdurchschnittliche Verteuerung des Erdgases hat dazu geführt, dass seine Wettbewerbsfähigkeit für die Stromproduktion gelitten hat. Kohle ist wieder attraktiver geworden. Die höhere Nachfrage nach festen Brennstoffen hat zwar in den letzten Monaten auch hier festere Preise hervorgerufen, doch blieben die Aufschläge moderat.

Insgesamt haben sich somit alle fossilen Primärenergien zuletzt nachhaltig verteuert. Vor allem für die Öl und Gas produzierenden Staaten - Opec und Russland - sind die Energieexporterlöse massiv gestiegen. Da in den internationalen Energiekontrakten der US-Dollar nach wie vor als Leitwährung dominiert, wirkt sich auch die Dollarstärke gegenüber dem Euro positiv für die Exporteure aus.

Im Gegensatz zu den 70er-Jahren führen die Einkommensverschiebungen aber nicht zu Kaufkrafteinbußen. Damals wurden die Opec-Staaten von dem massiv steigenden Petrodollar völlig überrascht; diese Summen flossen in die Banken des Westens zurück und verursachten vorübergehende Kaufkraftausfälle.

Diesmal ist von den Einkommensverschiebungen durch veränderte internationale Energietransfers kein Einbruch der Weltkonjunktur zu befürchten, zumal das Gewicht der Energieerlöse geringer geworden ist. Als Entlastung für die Verbraucher kommt hinzu, dass durch die Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte die Endverbraucherpreise rutschen. Auch die Rolle des Staates ist nicht zu vernachlässigen: Der Fiskus schöpft im Durchschnitt der OECD-Staaten bei Mineralölprodukten 50 % vom Endverbraucherpreis ab. Professor Dieter Schmitt, der sich an der Universität Essen mit dem Thema beschäftigt, bringt dieses Phänomen auf den Punkt: "Die Steuer- Scheichs in Berlin sind viel schlimmer als die arabischen Ölscheichs."

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