Entmachtung geplant
USA verstärken Druck auf die Taliban-Regierung

Im Konflikt um eine Auslieferung des Radikalislamisten Osama Bin Laden haben die USA und Großbritannien den politischen und militärischen Druck auf Afghanistan verstärkt.

rtr WASHINGTON. Wer Terroristen Unterschlupf gebe, müsse aus der Regierung vertrieben werden, erklärte das US-Präsidialamt. Ein führender Vertreter der oppositionellen afghanischen Nordallianz erklärte, er rechne mit dem Beginn eines US-Militärschlags innerhalb weniger Tage. Während britische Truppen im Golfsultanat Oman am Montag ein groß angelegtes Manöver begannen, lief der US-Flugzeugträger "Kitty Hawk" aus seinem Heimathafen in Japan aus, um die bereits am Golf und im Indischen Ozean konzentrierte US-Streitmacht zu verstärken.

Die Taliban-Regierung hatte am Sonntag erklärt, sie halte den von den USA als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September verdächtigten Extremisten Bin Laden zu dessen eigener Sicherheit versteckt. Zuvor hatten die Taliban erklärt, sie wüssten nicht, wo sich Bin Laden aufhalte. Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Taliban.

Andrew Card, Chef des Generalstabs im Präsidialamt in Washington, sagte am Sonntag, keine Regierung dürfe Terroristen Unterschlupf gewähren, wie es die Taliban täten. "Wenn sie bei dieser Politik bleiben, sollten sie entmachtet werden", fügte Card hinzu. Die "New York Times" meldete am Montag, US-Präsident George W. Bush habe verdeckte Operationen gebilligt, um die Opposition in Afghanistan auch militärisch zu unterstützen. Die Regierung in London kündigte an, Anlagen der Taliban auf britischen Konten im Umfang von 90 Mill. Dollar zu sperren und so den Druck auf die Organisation zu erhöhen.

Großbritannien will sich an der von den USA nach den Anschlägen vom 11. September eingeleiteten Kampagne gegen den internationalen Terrorismus beteiligen und militärisch an der Seite der USA stehen. In Oman begann ein umfangreiches Manöver britischer Truppen, das nach Berichten britischer Medien sehr rasch in einen aktiven Einsatz der 24 000 britischen Soldaten zur Unterstützung eines US-Militärschlags umgewandelt werden könnte. Die USA entsandten derweil ihren Flugzeugträger "Kitty Hawk", der die Militärstreitmacht in der Region durch rund 70 Kampfflugzeuge weiter verstärkt. Nach iranischen Angaben befinden sich inzwischen 41 US-amerikanische und britische Kriegsschiffe in der Golfregion.

Nach Angaben des US-Generalstabschefs Hugh Shelton können die USA mit der Unterstützung von über 100 Nationen für ihre weltweite Koalition gegen den Terrorismus rechnen. Unklar blieb das Verhalten Saudi-Arabiens, das seine Stützpunkte den Amerikanern nun offenbar doch nicht für einen Militärschlag gegen ein islamisches Land überlassen will. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf äußerte sich skeptisch über die Aussichten, dass die Taliban in letzter Minute noch einlenken und Bin Laden ausliefern könnten. Pakistan unterhält als einziges Land noch diplomatische Verbindung zur Taliban-Regierung.

Die Nordallianz in Afghanistan hat ihre Militäroffensive gegen die Taliban unterdessen verstärkt. Der "Außenminister" der Allianz, Abdullah Abdullah, sagte, er rechne "sehr bald" mit einer Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Der Beginn der amerikanischen Offensive sei seiner Einschätzung nach "eine Sache von wenigen Tagen".

Für die Zukunft nach einem möglichen Sturz der Taliban-Regierung gibt es bereits Überlegungen. US-Abgeordnete führten am Wochenende zusammen mit Vertretern der afghanischen Opposition in Rom Gespräche mit dem im Exil lebenden König Sahir Schah. Viele sehen in dem 86-jährigen Monarchen die einzige politische Führungsfigur, die die Vielzahl der Stämme und Gruppen Afghanistans einigen könnte. Taliban-Anführer Mullah Mohammad Omar allerdings erklärte in einer Rundfunk-Rede, für den König werde es keine Rolle in Afghanistan geben, und Sahir Schah werde einen Machtwechsel in Afghanistan auch sicherlich gar nicht mehr erleben.

Bislang 500 Festnahmen in den USA

In den USA teilte Justizminister John Ashcroft die Festnahme von inzwischen über 500 Verdächtigen nach den Anschlägen mit. Im CNN-Fernsehen wollte Ashcroft nicht ausschließen, dass sich noch potenzielle Angreifer innerhalb der USA aufhielten, die mit den Flugzeugentführern vom 11. September in Verbindung stünden und möglicherweise weitere Terrorakte planten. Eine Gruppe von 19 Tätern hatte am 11. September vier Passagierflugzeuge entführt. Zwei davon waren direkt in die Hochhaus-Türme des World Trade Centers, ein drittes auf das Verteidigungsministerium gelenkt worden. Die vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab. Bei den Terrorangriffen starben nach jüngsten Informationen der US- Behörden 5766 Personen, die Flugzeug-Passagiere eingerechnet.

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