Entscheidende Konferenzrunde ab Donnerstag
Trittin sieht noch Chance für Weltklimagipfel

Umweltminister Trittin schließt ein Gelingen in letzter Minute nicht aus. Eine Lösung bei den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll sei noch möglich. Trittin präsentiert Deutschland als Klima-Musterknaben

ap BONN. Vor der entscheidenden Runde beim Weltklimagipfel in Bonn hat Umweltminister Jürgen Trittin ein Gelingen in letzter Minute nicht ausgeschlossen. Eine Lösung bei den Verhandlungen über das Kyoto-Protokoll sei noch möglich, sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Bonn. Internationale Umweltorganisationen malten hingegen ein düsteres Bild: Japan, Australien und Kanada versuchten, das Klimaschutzabkommen inhaltlich auszuhöhlen und es wertlos zu machen.

In Bonn sitzen seit Montag die Verhandlungsdelegationen aus rund 180 Ländern zu Vorgesprächen zusammen. Am (morgigen) Donnerstag beginnt die entscheidende Runde der Umweltminister. Es geht um ein Abkommen zur Umsetzung des Kyoto-Protokolls von 1997, in dem sich die Industrieländer bis etwa 2010 zur Verringerung ihres Ausstoßes von Treibhausgasen um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 verpflichten.

Trittin sagte, die Gespräche der letzten Tage hätten gezeigt, dass `sich die Verhandlungen außerordentlich schwierig, aber auch konstruktiv gestalten". In der Substanz seien die Delegationen allerdings noch nicht weitergekommen. Erfreulich sei dennoch, dass Japan seinen Willen zur Ratifizierung des Kyoto-Protokolls im kommenden Jahr bekräftigt habe.

Trittin deutete an, dass die Europäische Union zu Gunsten von Japan die Anrechnung so genannter Kohlendioxid-Senken akzeptieren werde, also zum Beispiel Wälder oder Felder, die CO-2 aus der Atmosphäre binden. Er zeigte sich allerdings skeptisch über einen neuen japanischen Vorschlag, nach dem solche Senken beim Erreichen der Klimaschutzziele sehr stark zu Buche schlagen würden. Nötig seien Reduktionen im eigenen Land, betonte Trittin.

Suche nach Schlupflöchern

Die Rolle der Senken ist Teil des Verhandlungspakets zur Umsetzung des noch nicht ratifizierten Kyoto-Protokolls. Gestritten wird auch über die Nutzung der "flexiblen Mechanismen" - der Handel mit Emissionsrechten sowie gemeinsame Klimaschutzprojekte von Industrie- und Entwicklungsländern und von Industrieländern untereinander. Diese Instrumente sollen es den Industrieländern erleichtern, ihre Minderungsziele zu erreichen. Die Verhandlungen sind stark gefährdet, seit die USA ihren Ausstieg aus dem Protokoll erklärt haben.

Nun suchten Japan, Australien und Kanada, denen bei der Ratifizierung eine Schlüsselrolle zukommt, alle erdenklichen Schlupflöcher, beklagte Greenpeace-Vertreter Bill Hare. Damit drohe das Abkommen jegliche "ökologische Integrität" zu verlieren. Die WWF-Delegierte Jennifer Morgan sprach von einem "Lauf-Rückwärts-Club", der bereits erzielte Verhandlungserfolge zunichte machen wolle. Dagegen seien jeweils rund 80 Prozent der Bevölkerung in Japan, Australien und Kanada für die schnelle Ratifizierung des Protokolls.

Unterdessen appellierten die Bürgermeister zahlreicher internationaler Großstädte an US-Präsident George W. Bush, seine Klimaschutzpolitik zu überdenken. In einem von Venedigs Stadtoberhaupt, Paolo Costa, initiierten Brief heißt es: `Unsere Städte werden nicht nur vom Anstieg des Meeresspiegels stark betroffen sein, sondern auch von der wahrscheinlichen Intensivierung extremer Klimabedingungen." Zu den Unterzeichnern gehören nach Angaben von Costas Büro mehr als 30 Bürgermeister, darunter die von Dublin, Rio de Janeiro, Beirut, Dubrovnik, Dakar, Seattle, Fukuoka, Dhaka und Rabat.

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