Entscheidende Weichenstellungen
Mainzer Landesbank auf dem Prüfstand

Um den Wiedereinstieg des Landes ist eine Diskussion entbrannt - Die Sparkassen in Rheinland-Pfalz fürchten einen Wertverlust ihrer Beteiligung.

FRANKFURT/M. Für die Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) wird es in diesem Sommer zu entscheidenden Weichenstellungen kommen. Denn zum einen wird voraussichtlich darüber entschieden, ob sich das Land wieder an der LRP beteiligen wird. Und eng verknüpft mit dieser Frage ist das zukünftige Geschäftsmodell, das in diesem Jahr ebenfalls auf den Prüfstand kommt.

Die Mainzer Landesbank ist ein Sonderfall: Das Land ist hier ausnahmsweise nicht mehr beteiligt. 1992 hatte die damalige Regierung dem Verkauf eines 50-Prozent-Pakets für damals 700 Mill. DM zugestimmt. Heute hält der Sparkassen- und Giroverband Rheinland-Pfalz die Hälfte der Anteile, 37,5 % hat die Westdeutsche Landesbank (WestLB), und die restlichen 12,5 % liegen bei der Landesbank Baden- Württemberg (LBBW). Da die Ratingagenturen signalisiert haben, dass sie einen Wiedereinstieg des Landes honorieren würden, sucht man jetzt fieberhaft nach einer Lösung. "Man rührt, damit nichts anbrennt", bringt es ein Beobachter auf den Punkt. Aber noch in diesem Jahr wird man etwas servieren müssen, denn die Zeit drängt. 2005 entfallen für die Landesbanken die staatlichen Garantien. Anstatt der Gewährträgerhaftung stehen als Haftungssumme dann nur noch das Vermögen der Bank und der Sicherungsfonds zur Verfügung.

Ohne eine neue Eigentümerstruktur sähe es für die LRP für die Zeit nach 2005 düster aus. Auf sich allein gestellt drohte ihr ein Abstieg aus den oberen Bonitätsklassen, derzeit lautet das Langfristrating bei Standard & Poor?s noch auf "AA". Angestrebt wird von LRP-Vorstandschef Klaus Adam mindestens eine Bonitätseinstufung in der Kategorie "A" für die Zeit ohne Staatsgarantien.

In der Bank weiß man, dass eine Länderbeteiligung von vielleicht 5 % nicht ausreicht, um das Rating zu polieren, ab 10 oder 15 % könnte vielleicht eine Verbesserung von zwei Stufen ("notches") erreicht werden. Damit rücken die beiden Pakete der WestLB und der LBBW als Manövriermasse ins Blickfeld. Ein Szenario in Mainz lautet, dass die WestLB ihr LRP-Paket - auf dessen Werthaltigkeit sie neuerdings deutlich hinweist - an die LBBW weiterreicht. Dann wäre auch die Kooperation in der Wertpapierabwicklung mit der LBBW stärker mit Kapital unterlegt. Das könnte dann die Vorstufe zu einer späteren Vollfusion werden. Und die Sparkassen könnten von ihrer Hälfte einen Teil an das Land abtreten. Parallel dazu wird man versuchen, den Verbund zwischen Sparkassen und Landesbank zu intensivieren, wobei man gespannt auf den Ausgang des Verbundvorhabens im Nachbarverband Hessen-Thüringen blickt.

Sicher ist derzeit aber nur, dass etwas passieren muss. "Wir können nicht zusehen, dass unsere Landesbank-Beteiligung an Wert verliert", sagt Hans Otto Streuber, Präsident des regionalen Sparkassenverbandes. Mit einem Einstieg des Landes sind seiner Meinung nach auch nicht alle Probleme schlagartig gelöst. "Was wir brauchen, ist ein Geschäftsmodell für die Landesbank, das auch auf Basis eines gesenkten Ratings noch funktioniert", ergänzt Streuber.

Die LRP ist mit einem Geschäftsvolumen von 80,1 Mrd. Euro auf Platz acht von demnächst nur noch elf Landesbanken. Zwar argumentiert man in der LRP zu Recht, das angesichts der Probleme der BayernLB und der WestLB die Großen auch die größten Schwierigkeiten hätten. Man sei immer "klein und rentabel" gewesen. Langfristig wird sich die LRP - die außer einer Tochter in Luxemburg über keine nennenswerten Auslandsengagements mehr verfügt - aber nicht allein auf das "Investment-Banking für den Mittelstand" stützen können. "Das machen heute schon zu viele", heißt es im Eigentümerkreis. Alle Geschäftsfelder werden auf den Prüfstand kommen. Aber wenn zu viel wegfallen würde, dann taucht die Frage auf: Ist das noch eine Landesbank? Bei allen Veränderungen dürfte letztlich aber die Landesregierung in Mainz parteiübergreifend darauf achten, dass ihr das "Förderinstrument Landesbank" erhalten bleibt. Und nicht zuletzt geht es um 2 000 qualifizierte Arbeitsplätze.

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