Entscheidender Vorstoß in den USA in Sicht
Vivendi steigt bei Echostar ein

Der französische Medienkonzern Vivendi ist dabei, seine Position im amerikanischen Medienmarkt entscheidend zu stärken. Jetzt will er den Kampf mit den US-Giganten AOL Time Warner, Walt Disney und Viacom aufnehmen.

hus/pos NEW YORK/LITTLETON. Nach Informationen der "Los Angeles Times" wird Vivendi Universal S.A. zum Preis von 10 Mrd. $ die Unterhaltungssparte des Kabelfernseh-Konzerns USA Inc., -Networks New York, von Medienzar Barry Diller mehrheitlich übernehmen. Die Verhandlungen sollen am Wochenende abgeschlossen worden sein. Außerdem will Vivendi für 1,5 Mrd. $ einen Anteil an der amerikanischen Satellitenfernseh Echostar Commmunications Corp., -Firma Littleton/Colorado, übernehmen. Damit hätte Vivendi erstmals ein eigenes und bedeutendes Progamm-Distributions-Netz in den USA, dem größten Medienmarkt der Welt. Für Vivendi sind die jüngsten Schritte ein wichtige Mosaiksteine in der Strategie, sich als führender internationaler Medienkonzern zu etablieren.

USA Networks produziert in den USA populäre Fernseh-Shows wie etwa "Law and Order" und betreibt eigene Kabelsender. Diese Operationen will Vivendi erwerben. Andere Sparten, wie die Konzertkarten-Agentur Ticketmaster oder den Einkaufs-Kanal Home Shopping Network will Diller hingegen behalten.

Zugang zu 6 Millionen Fernseh-Zuschauern

Mit der Beteiligung am Satellitenfernsehen Echostar hätte Vivendi außerdem sofortigen Zugang zu 6 Millionen Fernseh-Zuschauern. Da Echostar den Zuschlag für die Übernahme des US-Satellitenfernsehen Hughes Electronics von General Motors erhalten hat, dürfte die Zahl der erreichbaren Zuschauer bald auf 16 Millionen steigen. Echostar wiederum könnte von den TV- und Filmrechten von Vivendi Universal profitieren und so leichter den Kampf mit den großen Kabelrivalen in den USA bestehen.

Die Übernahme der Unterhaltungssparte von USA Networks würde eine Verschachtelung entwirren, die nach dem Kauf des Unterhaltungs- und Getränke-Konzerns Seagram durch Vivendi entstanden ist. Der frühere Seagram-Eigentümer Edgar Bronfman Jr. hatte seinen Konzern vor einem Jahr an Vivendi für 34 Mrd. $ abgegeben. Im Paket war auch ein 43-prozentiger Anteil an USA Networks enthalten. Den Rest von USA-Networks hatte Bronfman bereits vor vier Jahren für 4,1 Mrd. $ an Diller abgegeben. Das Paket soll jetzt angeblich zu mehr als dem zweifachen Preis von Vivendi übernommen werden, was Diller innerhalb von vier Jahren einen Gewinn von knapp 6 Mrd. $ einbringen würde. Vivendi will den Kauf offenbar größtenteils mit Aktien bezahlen.

Eventuell Firma für Unterhaltungsaktivitäten

Gleichzeitig sei geplant, Diller zum Chef der Universal Studios zu machen oder einer neuen Firma, in die die Unterhaltungsaktivitäten eingebracht werden könnten. Universal gehört mit Produktionen wie "American Pie" und "The Mummy" zu den erfolgreichsten Filmstudios der Welt. Vivendi-Chef Jean Marie Messier habe in diesem heiklen Punkt bereits mit dem derzeitigen Univeral-Top-Management gesprochen, um auszuloten, wie diese mit der Entscheidung leben könnten, heißt es.

Dann könnte Vivendi die Expertise und das Ansehen des anerkannten Medienmanagers Diller für sich einsetzen. Zur Erfolgsleiter des Medien-Veterans gehören eine leitende Position beim Fernseh-Konzern ABC, die Geschäftsführung von Paramount Pictures während der 70er und 80er Jahre mit Produktionen wie "Der Pate", und die erfolgreiche Markteinführung von Medienmogul Rupert Murdoch's Fox-Fernsehkanal in den USA. Newcomer Vivendi braucht dringend Verbindungen in den amerikanischen TV-Markt.

Zwar hat Vivendi-Chef Messier erst kürzlich sein Büro von Paris nach New York verlegt, doch an der Wall Street wurde Vivendi bisher kaum als echte Konkurrenz zu AOL Time Warner Inc. oder ähnlichen Giganten angesehen. Das Fehlen eines Distributions-Netzes war der wesentlichste Grund. Mit den neuen Akquisitionen und mit Barry Diller im Boot hofft Messier offenbar, mehr Respekt zu gewinnen. Der 59-jährige Diller muss jetzt Investoren überzeugen, die ehrgeizige Expansion von Vivendi im Medienmarkt USA zu finanzieren.

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