Entscheidung am Dienstag
Moulinex bekommt letzte Chance

Für den traditionsreichen Haushaltsgerätehersteller Moulinex gilt ein Verkauf an den Konkurrenten SEB als letzte Chance. Doch SEB will nur Teile von Moulinex haben und kaum mehr als ein Drittel der Belegschaft übernehmen. Zudem legen sich die Banken quer. Würde Moulinex zerschlagen, bliebe nur die Marke.

PARIS. Das Handelsgericht in Nanterre bei Paris entscheidet am Dienstag hinter verschlossenen Türen über das Schicksal des Elektrokleingeräte- Herstellers Moulinex SA. Kenner des Unternehmens erwarten, dass sich das Gericht gegen die beiden vorliegenden Übernahmeangebote und für eine Liquidation des Unternehmens entscheidet. In diesem Falle würde die Gruppe abgewickelt. Als wesentlicher Aktivposten bliebe allein die Marke Moulinex, unter der jährlich Millionen von Haushalts-Helfern in aller Welt verkauft werden.

Die Chancen für die beiden Gruppen, die eine Offerte für das Anfang September zahlungsunfähig gewordene Unternehmen abgegeben haben, sind nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen gering. Denn sowohl die Investorengruppe Fidei, die sich als Spezialistin für aussichtslose Fälle präsentiert, als auch der Moulinex-Konkurrent SEB SA sind nur an Teilen des Unternehmens interessiert. Der Aufforderung des Gerichts, die Gebote nachzubessern, seien sie nur mit "kleinen Schritten" nachgekommen, sagt ein Mitglied des Betriebsrates.

Wiederbelebung der Küchenmaschinensparte

SEB beabsichtigt mit seiner Offerte, Marktführer bei kleinen Elektrohausgeräten zu werden und die Sparten Küchen- und Kaffeemaschinen von Moulinex wieder zu beleben. Synergien sollen sich vor allem durch einen gemeinsamen weltweiten Vertrieb ergeben, wie Vorstandschef Thierry de la Tour d'Artaise erläutert. SEB ist mit 1,7 Mrd. Euro Umsatz kaum größer ist als Moulinex zu seinen besseren Zeiten und leidet genau so sehr unter dem branchenüblichen Preisdruck. Der Konkurrent hat angeboten, gut ein Drittel der gegenwärtig 9 000 Beschäftigten von Moulinex zu übernehmen, die Hälfte davon in Frankreich. Außerdem soll ein Werkvertrag die Beschäftigung weiterer 600 Mitarbeiter für zwei Jahre sichern.

Patrick Puy, der die Moulinex SA seit der umstrittenen Übernahme durch die italienische Familienholding Elettrofinanziaria SpA (El Fi) Ende vergangenen Jahres führt, unterstützt offen das Angebot des Wettbewerbers. Doch das Gericht hat bisher erkennen lassen, dass es die lediglich teilweise Fortführung von Moulinex als unzureichend erachtet.

Bankgarantien wies die Gruppe nicht vor

Die Fidei-Gruppe, die im Frühjahr versucht hatte, die Fluggesellschaften AOM und Air Liberté an sich zu bringen, verspricht, 5 000 Moulinex-Mitarbeiter weiterzubeschäftigen, 3 000 davon in Frankreich. Die Gruppe ist die vom Gericht verlangten Bankgarantien für diesen Plan allerdings bisher schuldig geblieben. Daher gilt der Fidei-Plan für die Richter einstweilen als nicht realisierbar.

Das gilt auch für ein offiziell noch nicht eingereichtes Projekt einer kanadischen Gruppe namens Euroland. Sie macht den Beschäftigten Hoffnung auf die Fortführung des Betriebes im Ganzen. Auch sie hat aber bisher ihre Finanzkraft nicht nachgewiesen.

Eine wichtige Rolle werden bei der Entscheidung des Gerichtes auch die Aussichten der Gläubiger spielen, einen Teil ihrer Forderungen zu befriedigen. Dies ist offenkundig leichter durch einen Verkauf einzelner Aktiva als durch die Fortführung der Moulinex SA möglich, wie französische Presseberichte andeuten.

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