Entscheidung bei der Brennstoffzelle
Ford fährt im nächsten Jahrzehnt mit Wasserstoff

Der amerikanische Autobauer Ford hat sich festgelegt: Er plant beim Antrieb der Zukunft mit der Wasserstoff-Brennstoffzelle - gegenüber dem mit Methanol betriebenen Modell sei sie die umweltfreundliche Variante. Die Kunden müssen sich jedoch gedulden: Die erste Serie soll erst im Jahr 2007 auf den Markt kommen.

HB DÜSSELDORF. Der amerikanische Autokonzern Ford wird seine mit Brennstoffzellen ausgestatteten Modelle künftig mit Wasserstoff betreiben. Damit verabschiedet sich das Unternehmen vom konkurrierenden Konzept, bei dem Methanol als Treibstoff verwendet wird. Wie einige seiner Wettbewerber verzichtet Ford auf den Vorteil des Methanols: Die Infrastruktur - etwa das Tankstellennetz - ließe sich leichter aufbauen. Wasserstoff dagegen gilt im Vergleich zu Methanol als umweltfreundlicher.

Ford hat den Mittelklassewagen Focus FCV (Fuel Cell Vehicle) als erstes Modell mit einer Brennstoffzelle des Herstellers Ballard ausgerüstet und damit nun Tests in Europa gestartet. Ballard bildet gemeinsam mit Ford und Daimler-Chrysler die "Fuel Cell Alliance". Die Brennstoffzelle leistet 80 Kilowatt und ist beim Focus unter den Vordersitzen montiert. Der Energielieferant Wasserstoff wird in Drucktanks gespeichert. Die Brennstoffzelle schafft 385 Volt Gleichspannung, die sich allerdings nicht direkt zum Antrieb des Wagens eignen. Ein TIM-Modul (Traction Inverter Module) wandelt die Energie in Drei-Phasen-Drehstrom um. Damit erreicht der Prototyp eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 130 km/h. In 14 Sekunden lässt sich der Focus auf 100 km/h beschleunigen.

Mit einer Tankfüllung kommt der Focus 160 Kilometer weit

Der Gesamtwirkungsgrad des Antriebs von der Quelle bis zum Rad liegt bei der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle bei 29 Prozent, erläutert Franz-Martin Dübel, Marketingleiter Alternative Antriebe der Ford-Werke in Köln. Damit würden nicht nur die 16 Prozent eines Benzinmotors übertroffen. Auch die Methanol-Brennstoffzelle komme nur auf 22 Prozent.

Anders als die Methanol-Variante erzeugt ein Wasserstoff-Fahrzeug während der Fahrt zudem keine schädlichen Abgase. Sollte es gelingen, den Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen wie Wind- oder Sonnenkraft zu gewinnen, wäre das laut Dübel aus Umweltsicht ein idealer Treibstoff. Den Kraftstoffverbrauch (Benzinäquivalent) des Focus FCV beziffert Ford auf durchschnittlich 3,5 Liter pro 100 Kilometer. Der Focus schafft derzeit mit einer Tankfüllung Wasserstoff eine Strecke von 160 Kilometern.

Ford rechnet im Jahr 2005 mit einer Kleinserie, die zu Testzwecken eingesetzt wird. Zwei Jahre später soll eine Erprobungsflotte folgen. Für 2010 plant Ford die Vermarktung der Autos mit Brennstoffzellen in Großserie. Bis dahin, so die Hoffnung des Managements, sollen die Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb für die Kunden erschwinglich sein. Die Technik stelle keine großen Probleme dar, erläutert Wolfgang Schneider, Europa-Vice-President von Ford. Schwierigkeiten könnten jedoch die hohen Kosten für die Erzeugung des Wasserstoffs und den Aufbau der Infrastruktur bereiten.

Daimler-Chrysler entwickelt beide Technologien nebeneinander

Ähnliche Zeitpläne wie bei Ford verfolgen auch die Wettbewerber. Fords Partner aus der Fuel Cell Alliance, Daimler-Chrysler, hat sich allerdings noch nicht zu einer Entscheidung über den Treibstoff durchringen können. In der Necar-Serie (New Electric Car) war die vorletzte Modellreihe auf Flüssig- bzw. Druckwasserstoff ausgelegt. Beim aktuellen Necar 5 erfolgt die Wasserstoff-Erzeugung dagegen aus Methanol-Reformierung während der Fahrt. Eine für 2004 geplante Kleinserie auf Basis der A-Klasse soll dagegen - ebenso wie eine für 2003 vorgesehene Bus-Serie - Druckwasserstoff tanken.

Methanol setzt übrigens neben Daimler-Chrysler auch Mazda im Premacy FC-EV (Fuel Cell Electric Vehicle) ein. Dabei wird der Direkt-Wasserstoff-Brennstoffzelle auch von Mazda eine "ideale Umweltbilanz" eingeräumt. Eingesetzt wird sie beispielsweise im Hydrogen 3, den General Motors (GM) mit seiner Tochter Opel entwickelt hat.

"Wir wollen als erstes Unternehmen eine Million Brennstoffzellenfahrzeuge verkaufen", nennt Erhard Schubert, Direktor des GM/Opel-Entwicklungszentrums für alternative Antriebe, das ehrgeizige Ziel des Konzerns. Honda, Hyundai oder PSA Peugeot Citroën verfolgen vergleichbare Projekte. Wie bei Toyota sollen die von GM/Opel für 2002 angekündigten ersten Modelle mit Brennstoffzelle noch mit Benzin betrieben werden. Die erste richtige Großserie, von Schubert für 2008 bis 2010 geplant, wird dann mit Wasserstoff versorgt.

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