Entscheidung der Religionsgelehrten
Bin Laden soll Afghanistan freiwillig verlassen

Nachdem der Rat der afghanischen Religionsgelehrten den mutmaßlichen Terroristenführer Osama Bin Laden aufgefordert hat, das Land freiwillig zu verlassen, fordert nun auch der Chef der Taliban Omar die Ausreise Bin Ladens.

Reuters/ap/dpa/afp WASHINGTON/ISLAMABAD. Damit wolle Omar ein zuvor erteiltes Rechtsgutachten der führenden Geistlichen des Landes umsetzen, teilte der Erziehungsminister am Donnerstag in Kabul mit. Es werde aber "einige Zeit" dauern, bis Bin Laden das Land verlasse.

Der Rat rief alle Moslems der Welt auf, einen Heiligen Krieg (Dschihad) gegen die USA zu erklären, falls deren Streitkräfte Afghanistan angreifen. "Wenn ein mächtiges Land ein schwaches Land angreift, dann ist dies ein Dschihad für alle Moslems", hieß es in der Abschlusserklärung der Geistlichen. An die Adresse der USA gerichtet, erklärte der Rat der Gelehrten: "Bitte greift nicht an und habt Geduld!"

"Die Ulema wollen, dass das islamische Emirat Afghanistan Osama auffordert, Afghanistan zu verlassen, aber nach seinem freien Willen", meldete die afghanische Nachrichtenagentur Bachtar.

Die Versammlung der rund 1 000 Religionsgelehrten aus allen Teilen Afghanistans beriet seit Mittwoch in Kabul über die international geforderte Auslieferung Bin Ladens. Der Führer des afghanischen Taliban-Regimes, Mullah Mohammed Omar, hatte die Entscheidung dem Großen Rat überlassen, nachdem er mit einer pakistanischen Regierungsdelegation in Kandahar über deren Forderungen beraten hatte. Pakistan hat den Taliban eine Militäraktion der USA für den Fall angekündigt, dass bin Laden nicht ausgeliefert wird.

Der Rat der Geistlichen versammelte sich am Donnerstag in einem teilweise zerstörten Hotel der afghanischen Hauptstadt, nachdem er am Mittwoch im Präsidentenpalast zusammengekommen war. In seiner Eröffnungsrede erklärte der Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar, Bin Laden habe die Vorwürfe aus den USA zurückgewiesen, für die es keine Beweise gebe. Omar forderte die USA zu Gesprächen auf, was in Washington jedoch zurückgewiesen wurde.

In der ersten größeren Militärverlegung in dem von den USA ausgerufenen Krieg gegen den internationalen Terrorismus werden nach Angaben aus US-Regierungskreisen mehr als 100 Kampfflugzeuge in die Golfregion entsandt. Dies habe US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld angeordnet, verlautete am Mittwoch. Die Operation trägt den Namen "Unendliche Gerechtigkeit" ("Infinite Justice"), wie ein ranghoher Vertreter der Streitkräfte mitteilte.

Verlegung beginnt am heutigen Donnerstag

Die Entsendung von Kampfjets, Bombern und Begleitmaschinen werde am Donnerstag beginnen, hieß es. Die Flugzeuge würden auf Basen in der Golf-Region oder in die Nähe gebracht. Genaue Angaben über die Einsatzorte gab es nicht. CNN meldete, die Flugzeugflotte werde sich aus Maschinen vom Typ F-15E und F-16 sowie wahrscheinlich auch Bombern vom Typ B-1 sowie Tankflugzeugen und Radar-Aufklärern zusammensetzen.

"Ich würde den Taliban sehr raten, die El-Kaeda-Mitglieder auszuliefern, die sich in ihrem Land verstecken", warnte US-Präsident George W. Bush. Die USA haben angekündigt, sie würden das Netz des internationalen Terrorismus zerschlagen und wollten Bin Laden "tot oder lebendig".

Pakistans Präsident Pervez Musharraf sagte in einer Fernsehansprache, die USA hätten von Pakistan Geheimdienstdaten, logistische Unterstützung und Überflugrechte erbeten. Er habe einer Zusammenarbeit zugestimmt. In Pakistan haben sich radikale Moslems und andere Gruppen gegen eine Zusammenarbeit mit den USA ausgesprochen. Mehrere Länder, darunter Deutschland, riefen ihre Bürger zum Verlassen des Landes auf, wenn ihr Aufenthalt dort nicht zwingend erforderlich sei.

Behörden verfolgen Spur zum Irak

Die US-Ermittlungsbehörden verfolgten nach Angaben aus Regierungskreisen auch eine Spur, die in den Irak führt. Mohamed Atta, der den Attentätern zugerechnet wird, soll sich mit einem irakischen Agenten in Europa getroffen haben. Dies bedeute aber nicht notwendigerweise, dass die irakische Regierung die Anschläge mit Passagierflugzeugen unterstützt habe, hieß es. Irak verneinte, dass es ein solches Treffen gegeben habe. US-Justizminister John Ashcroft sagte, die Urheber der Anschläge seien von Regierungen unterstützt worden. Namen von Staaten nannte er jedoch dabei nicht.


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