Entscheidung des Bundeskartellamtes steht noch aus: Liberty Media startet Ausschreibung für Decoder

Entscheidung des Bundeskartellamtes steht noch aus
Liberty Media startet Ausschreibung für Decoder

Der US-Kabelkonzern Liberty Media hat der deutschen PR-Agentur des Unternehmens zufolge für den Kauf von Fernseh-Decodern eine Ausschreibung gestartet. Ein solcher "request for proposals" sei in dieser Woche an führende Herstellern so genannter Set-Top-Boxen verschickt worden, sagte ein Sprecher der PR-Agentur am Donnerstag auf Anfrage.

Reuters HAMBURG. Namen der Konzerne nannte er nicht. Zu den großen Decoder-Herstellern gehören unter anderem Nokia, Philips und Motorola. Voraussetzung für den bis Ende 2002 geplanten Kauf der Boxen sei, dass die von Liberty geplante Übernahme der Telekom-Kabelnetze genehmigt werde, hieß es weiter.

Liberty Media will den Großteil der Kabelnetze der Telekom übernehmen, sie digital aufrüsten und darüber eine Vielzahl von Fernsehkanälen sowie Multimedia-Dienste anbieten. Für den Empfang werden die Decoder benötigt, die Liberty nach früheren Angaben kostenlos an die Kunden verteilen will. Das Bundeskartellamt muss nach einer Fristverlängerung nun bis zum 28. Februar über den Kauf der Netze entscheiden, gegen den die Behörde wegen einer möglicherweise Markt beherrschenden Stellung Libertys zunächst Bedenken angemeldet hatte.

Widerstand in der deutschen Medienindustrie

In der deutschen Medienindustrie war zudem Widerstand gegen ein Engagement Libertys in Deutschland aufgekommen, weil der Kabelbetreiber auch an Medienkonzernen wie News Corp und USA Networks beteiligt ist. Sämtliche große Fernsehsender warnten davor, dass Liberty eigene Inhalte bevorzugt in seine Netze einspeisen könnte. Die Befürchtung wurde dadurch genährt, dass Liberty den Einsatz des Technologiestandards MHP in der ersten Phase des Netzaufbaus und Programmvertriebs als zu teuer abgelehnt hatte. Die deutsche TV-Industrie hatte sich erst im vergangenen Jahr auf die "Multimedia Home Platform" als Schnittstelle für verschiedene digitale Fernseh-Technologien geeinigt.

Laut der Ausschreibung für den Kauf von Set-Top-Boxen müsse gewährleistet sein, dass die herzustellenden Boxen für den Digital-Standard MHP aufgerüstet werden können, sagte der Sprecher der Liberty-Agentur weiter. "Migration und Kompatibilität mit MHP müssen gewährleistet sein", heißt es in der Ausschreibung. Generell müssten die Decoder für frei zugängliche Systeme konstruiert sein. Spätere Nachrüstungen auf MHP hatte Liberty Media bereits in einer Stellungnahme im Dezember an das Kartellamt nicht ausgeschlossen.

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