Entscheidung eines italienischen Gerichts
Autofahrer dürfen einander beschimpfen

Autofahrer dürfen einander beschimpfen: Das hat das höchste italienische Gericht in Rom in einem Aufsehen erregenden Urteil klargestellt.

dpa ROM. Vor allem wenn es sich um jugendliche Autofahrer handele, seien Beschimpfungen und vulgäre Ausdrücke nicht strafbar, befanden die Richter nach einem am Samstag veröffentlichten Urteil. Zwar seien Schimpfwörter moralisch verwerflich, aber im Alltagsleben würden sie toleriert, zumal sie auch im Fernsehen verwendet würden, argumentierten sie. Daher stellten sie auch keine Ehrverletzung mehr dar.

Schimpfwörter würden oft dazu gebraucht, "um einen Gedanken zu verstärken", hieß es in der Begründung weiter. Sprachexperten begrüßten die Entscheidung. "Der Gebrauch von Schimpfwörtern ist derart verbreitet, dass man dies zur Kenntnis nehmen muss", sagte der Sprachwissenschafter Luca Serianni von der römischen Universität La Sapienza. Sein Kollege Gianfranco Lotti hat ein eigenes Schimpf- Wörterbuch verfasst.

33-Jähriger klagte

Der oberste Gerichtshof war von einem 33-jährigen Mann angerufen worden, der vor zwei Jahren zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, weil er einen anderen Verkehrsteilnehmer beschimpft hatte. Er muss jetzt keine Strafe mehr zahlen.

Das oberste italienische Gericht hatte in der Vergangenheit bereits öfter für Aufsehen gesorgt. So hatte es befunden, dass eine Vergewaltigung nicht nachweisbar sei, wenn eine Frau enge Jeans trage, da man ihr die enge Hose nicht gegen ihren Willen ausziehen könne. Dieses Urteil war aber nach einer Welle von Protesten revidiert worden.

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