Entscheidung eines US-Gerichts
Asbest-Vergleich von ABB genehmigt

Ein US-Gericht hat nach Angaben eines Anwalts den in monatelangen Verhandlungen ausgearbeiteten Asbest-Vergleich über 1,3 Mrd. Dollar zwischen dem schwedisch-schweizerischen Elektrotechnikkonzern ABB und mehr als 100 000 amerikanischen Klägern mit Vorbehalten abgesegnet.

Reuters NEW YORK. Richterin Judith Fitzgerald habe den Vergleich unter dem Vorbehalt zusätzlicher Sachverhalte bei zwei Tochtergesellschaften von ABB genehmigt, sagte David Austern, einer der Treuhand-Verwalter für Asbest-Klagen, am Montag in New York. Bei ABB in Zürich war zunächst niemand für eine Stellungsnahme erreichbar.

Mit dem Vergleich kann die hoch verschuldete ABB weiter gehende Forderungen abwenden, die den Konzern möglicherweise in seiner Existenz bedroht hätten. Zudem dürfte der geplante Verkauf von Firmenteilen erleichtert werden.

Bei dem Vergleichsbetrag war zunächst die Rede von 1,2 Mrd. Dollar gewesen. Die Gesamtsumme schließt Gebühren sowie Gerichts- und Anwaltskosten ein.

Die Asbest-Klagen gegen ABB waren ein Erbe aus der Übernahme der US-Firma Combustion Engineering (CE) im Jahr 1990. CE hatte früher Heizkessel für Kraftwerke hergestellt und dabei das gesundheitsschädigende Asbest eingebaut.

CE hatte im Februar Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechtes gestellt. Das noch bei der Firma vorhandene Vermögen von rund 800 Mill. Dollar - so war es vor dem Konkursantrag zwischen ABB und den Klägeranwälten ausgehandelt worden - fließt nun in den Topf, aus dem die Schadenszahlungen geleistet werden sollen. Den Rest muss ABB selbst beisteuern.

Der ABB-Konzern, der 1988 aus der Schweizer BBC und der schwedischen Asea AB entstanden ist, kam 2002 bei einem Umsatz von 18,3 Mrd. Dollar auf einen Rekordverlust von 787 Mill. Dollar. Im laufenden Jahr will ABB in die Gewinnzone zurückkehren.

Die Asbest-Klage hing lange wie ein Damokles-Schwert über dem ABB-Konzern und behinderten auch die geplante Veräußerung von Konzernteilen. Dadurch verzögerte sich auch die Reduzierung der Schulden, für die die Verkaufserlöse gedacht waren.

Die ABB-Gesamtverschuldung, die auch auf zahlreiche Übernahmen in den 90er Jahren zurückgeht, schwoll bis Ende März 2003 auf 8,2 Mrd. Dollar an. Bis zum Jahresende soll die Verschuldung auf rund 6,5 Mrd. Dollar abgebaut werden.

In erster Linie will ABB die Division Öl, Gas und Petrochemie (OGP) sowie weite Teile der Haustechnik veräußern. Zu OGP gehören auch Bereiche, die früher bei CE waren und dadurch mit dem Asbest-Verfahren zumindest potentiell in Verbindung standen. Der Asbest-Vergleich sollte nun Veräußerungen deutlich erleichtern.

Gemäss Analysten könnte ABB für OGP 1,5 Mrd. Dollar erlösen. OGP setzt rund vier Mrd. Dollar um.

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