Entscheidung Ende Oktober
Endspurt im Rennen um Kirch Media läuft

Erster Erfolg für die Kirch-Sanierer Hans-Joachim Ziems und Wolfgang van Betteray: Die Sportrechte-Sparte Kirch Sport der insolventen Kirch Media geht an das Management des Schweizer Unternehmens.

cbu/hps/jojo MÜNCHEN. Unterstützt vom ehemaligen Adidas-Chef und Investor Robert Louis-Dreyfus zahlt das Management-Team rund um den Ex-Fußballstar Günther Netzer einen dreistelligen Millionenbetrag.

Ursprünglich wollten Ziems und van Betteray Kirch Media nur im Paket verkaufen. Dafür fand sich jedoch kein Abnehmer. Mit Kirch Sport haben die Sanierer nun den Teil verkauft, der am leichtesten zu verwerten war. Das rechtlich eigenständige Unternehmen aus Zug ist profitabel und besitzt klare Strukturen. Außerdem gehören zu Kirch Sport die lukrativen TV-Rechte für die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Zu den Bietern für die Sport-Firma gehörte auch Firmengründer Leo Kirch selbst. Der Weltfußballverband Fifa unterstützte aber die Offerte von Netzer und Louis-Dreyfus. Die neuen Eigner haben nach Angaben von Ziems nichts mit Leo Kirch und Dieter Hahn zu tun.

Wesentlich schwieriger als der Verkauf der Sport-Sparte dürfte sich nun in den nächsten Wochen die Verwertung der Kerngesellschaft von Kirch Media gestalten. Dabei handelt es sich um den Filmlizenzhandel und die Mehrheitsbeteiligung am TV Konzern Pro Sieben Sat 1 Media AG. Am 30. Oktober soll der Gläubigerausschuss nach Angaben der Sanierer jetzt über den Zuschlag entscheiden. Eigentlich sollte der von der Investmentbank UBS Warburg organisierte Verkauf schon im Sommer über die Bühne gehen. Kirch Media hat Anfang April Insolvenz angemeldet. Nach der Pleite mussten auch alle anderen Obergesellschaften des weit verzweigten Kirch-Imperiums den Gang zum Insolvenzrichter antreten. So wird auch für Kirchs Bezahlsender Premiere derzeit nach einem Investor gesucht.

Bei Kirch Media sind nach Angaben von Ziems und van Betteray noch drei Konsortien im Rennen: Die Altgesellschafter Lehman Brothers, Al Waleed und Rewe sowie die Commerzbank; darüber hinaus der Hamburger Bauer Verlag mit der Hypo-Vereinsbank und Springer im Rücken sowie der Verbund des französischen Senders TF 1 und dem US-Unternehmer Haim Saban. Nach Angaben von Ziems und van Betteray liegen die Gebote bislang bei etwa 2 Mrd. Euro: "Die Angebote liegen sehr nahe beieinander. Es gibt kein Sympathiebonus."

Mit dem Verkauf von Kirch Sport können die Sanierer nicht nur einen ersten Erfolg vorweisen. Sie erhalten auch neuen finanziellen Spielraum. "Wir sind jetzt völlig unabhängig", betonte Ziems. Bisher spielten die Interessenten auf Zeit, in der Hoffnung,dass Kirch Media langsam die Luft ausgeht, um möglichst günstig einsteigen können. Die Sanierer betonten, dass Filmlizenzhandel und TV-Sender zusammen verkauft würden.

In der Sportrechte-Branche wird der Verkauf von Kirch Sport an Netzer Louis-Dreyfus mit Erleichterung aufgenommen. Bis zuletzt gab es Spekulationen, der europäische Marktführer Sportfive, ein gemeinsames Unternehmen der beiden Medienkonzerne Bertelsmann (RTL Group) und Vivendi-Universal (Canal Plus), würde zum Zuge kommen. Die Bundesliga begrüßte gestern die jetzt gefundene Lösung für Kirch Sport.

Quelle: Handelsblatt

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