Entscheidung fällt noch heute
Holzmann-Pleite kaum noch zu verhindern

Die Situation ist offenbar aussichtslos, dennoch hält die Deutsche Bank an ihrem Sanierungsplan fest. Doch Commerzbank, Dresdner und Hypo-Vereinsbank bleiben hart und sagen Nein.

afp FRANKFURT/MAIN. Eine Pleite des angeschlagenen Holzmann-Konzerns ist offenbar nicht mehr zu verhindern: Die Gläubigerbanken konnten sich bis zur gesetzten Frist nicht auf einen Sanierungsplan einigen. Commerzbank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank lehnten am Mittwoch auch den nachgebesserten Rettungsvorschlag ab, den Holzmann und die Deutsche Bank als größter Kreditgeber des Konzerns am Montag präsentiert hatten. Zwar wollte die Deutsche Bank ungeachtet dieses negativen Votums weiter nach einer Lösung für das Unternehmen suchen. Bankenvertreter gingen aber davon aus, dass Holzmann mit seinen 23 000 Beschäftigten im In- und Ausland Insolvenz anmelden muss.

"Der Rettungsplan ist kein Plan, der aus unserer Sicht tragfähig erscheint", sagte ein Commerzbank-Sprecher. Die Dresdner Bank teilte nach eigenen Angaben der Deutschen Bank mit, dass sie "kein tragfähiges Gesamtkonzept" sehe. Auch der nachgebesserte Sanierungsplan habe die Dresdner Bank "enttäuscht". Ähnlich argumentierte nach Angaben aus Bankenkreisen die HypoVereinsbank. Die Holzmann-Aktie brach ein: Das Papier stürzte bis 14.30 Uhr um 30 % auf 4,50 ?.

Ungeachtet dieser Nackenschläge versicherte die Deutsche Bank, dass sie weiter eine Lösung für die Philipp suche. Einem Sprecher zufolge gab es ein Angebot mehrerer Investmentbanken, Holzmann über eine Wandelanleihe eine Finanzspritze zu geben. Diese soll sich Medienberichten zufolge auf 100 Mill. ? belaufen, was das Unternehmen aber allein nicht retten würde. Der Bankkonzern selbst lehnte zunächst jede Stellungnahme ab. Der Vorstand des Unternehmens kam in Neu-Isenburg bei Frankfurt zusammen, um über die Lage zu beraten.

Für eine Rettung von Holzmann hätte der Sanierungsplan bis Mittwoch stehen müssen. "Es ist uns vom Vorstand mitgeteilt worden, dass heute die Entscheidung fallen muss, ob Holzmann zum Insolvenzverwalter geht oder nicht", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Willi Röll. Die Belegschaft hoffe bis zur letzten Sekunde. "Die Banken müssen auch ihre Verantwortung sehen für die Allgemeinheit", forderte Röll. "Im schlimmsten Fall sind das 23 000 Arbeitslose mehr", davon 11 000 in Deutschland.

Die knapp 20 Gläubigerbanken bemühten sich seit Tagen um Soforthilfen für den Baukonzern, der nach Presseberichten im vergangenen Jahr einen Verlust von rund 240 Mill. ? erlitt. Dabei verlangten die kleineren Gläubiger ein stärkeres Engagement der Deutschen Bank, zu dem diese aber offenbar nicht bereit war. Nach Angaben von Bankenvertretern hätte der zuletzt vorgelegte Rettungsplan nur Löcher gestopft, "die spätestens Mitte April wieder aufreißen würden". Nach dem "Nein" der drei Banken laufe nun alles auf einen Insolvenzantrag zu. Dies würde aber nicht den Verlust von 23 000 Arbeitsplätzen bedeuten. Vielmehr würden die "guten oder rettbaren Teile des Unternehmens" fortgeführt.

Holzmann war wegen eines Milliardenlochs schon im Herbst 1999 in eine bedrohliche Schieflage geraten. Das Unternehmen konnte damals nur auf Vermittlung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) über ein Sanierungspaket von Gläubigerbanken, Bundesregierung, Konzernleitung und Arbeitnehmern gerettet werden. Diesmal will Schröder aber offensichtlich nicht eingreifen.

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