Entscheidung könnte das Ende der Ultraschallflugzeuge bedeuten
Auch britischer Concorde-Betreiber setzt Zulassung aus

Nach Air France stellte am Dienstag auch der zweite Concorde-Betreiber British Airways die Flüge ein. BA kam damit einer an diesem Mittwoch bevorstehenden Empfehlung der französischen und britischen Flugunfall-Untersuchungsstellen zuvor, die Zulassung für alle zwölf Überschall-Jets bis auf weiteres auszusetzen. Sprecher der Untersuchungsstellen führten zur Begründung technische Probleme an. Die zuständigen Behörden beider Länder wollen am Donnerstag über die Empfehlung beraten.

dpa PARIS/LONDON. British Airways hatte schon einen Tag nach dem Concorde-Absturz bei Paris am 25. Juli ihre Flüge wieder aufgenommen und seitdem stets versichert, die Maschinen seien sicher. Am Dienstag teilte ihr dann die britische Behörde zur Untersuchung von Flugzeugunfällen (Aircraft Accident Investigation Bureau/AAIB) mit, dass die Aussetzung der Zulassung auf Grund französischer Untersuchungsergebnisse des Absturzes bevorstehe. "Innerhalb der letzten Tage ist klar geworden, dass das Platzen eines einzigen Reifens die Ursache des Unglücks war. Deswegen sind wir der Ansicht, dass die Zulassung bis auf weiteres ausgesetzt werden sollte", erläuterte ein Sprecher der britischen Luftaufsichtsbehörde CAA (Civil Aviation Authority). Die Behörde werde anschließend British Airways und Air France anweisen, das Flugzeug "sicher zu machen": "Wir sollten dies nicht als das Ende der Concorde sehen", sagte er.

Auch Frankreichs Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot meinte, die Empfehlung der Unfallexperten ziele auf eine befristete Aussetzung der Zulassung. Damit solle Zeit für Maßnahmen gewonnen werden, mit denen "ein zufrieden stellendes Sicherheitsniveau bei dem mit den Reifen verbundenen Risiko" garantiert werden könne.

Eine Sprecherin der französischen Flugunfall-Untersuchungsstelle BEA hatte zuvor von einer zeitlich unbegrenzten Entscheidung ihrer Abteilung gesprochen, die Zulassung zu entziehen. Sie verwies auf die bereits am vergangenen Freitag als Wahrscheinlichkeit geäußerte Hypothese, wonach eine Kettenreaktion nach einem Reifenplatzer den Absturz verursacht habe. "Das Platzen eines Reifens hatte dramatische Konsequenzen für die Maschine und ihre Struktur", erklärte Helene Bastianelli. Doch seien solche Reifenplatzer in der Luftfahrt weder selten noch unbedingt dramatisch. "Das Platzen eines Reifens darf keine Schäden nach sich ziehen, die zum Verlust der Maschine führen", betonte sie.

Politiker wollen mehr wissen

British-Airways-Chef Ron Eddington versicherte am Dienstag, die Entscheidung zur Aussetzung der Concorde-Flüge sei in "völliger Übereinstimmung" mit den britischen Behörden erfolgt. Britische Politiker verlangten eine sofortige Erklärung von der Behörde. "Das ist eine Kehrtwendung um 180 Grad", sagte der konservative Abgeordnete David Wilshire, in dessen Wahlkreis der Flughafen London- Heathrow liegt. "Die CAA muss uns sagen, was geschehen ist, sie kann sich nicht hinter dieser kurzen Erklärung verstecken, wonach sie neue Informationen gewonnen hat."

BA wurde nach eigenen Angaben am Dienstagmorgen von den britischen Behörden darüber informiert, dass es "im Lichte neuester Informationen" geboten erscheine, die Concorde-Flüge auszusetzen. "Sobald wir dies gehört hatten, nahmen wir unsere Überschall-Flotte außer Dienst und strichen den Concorde-Flug BA001, der kurz davor stand, nach New York zu starten", teilte Eddington mit. Erläuterungen oder Einzelheiten wurden dazu nicht gegeben. "Wir kennen die neuen Informationen nicht. Wir wissen lediglich, dass die AAIB Zugang zu einigen Informationen ihrer französischen Kollegen hat, die die AAIB zur Entscheidung veranlasst haben, die Zulassung des Flugzeugs zurückzuziehen", sagte BA-Chef Eddington. Er hoffe auf eine Wiederaufnahme der Flüge, doch sei dies nur möglich, wenn keinerlei Sicherheitsbedenken mehr bestünden.

Nach den Informationen der französischen Unfallexperten von vergangener Woche hat ein Metallteil auf der Startbahn mit hoher Wahrscheinlichkeit den verhängnisvollen Reifenschaden bei der abgestürzten Concorde ausgelöst. Das Metallstück - von dem noch unklar ist, wie es auf die Startbahn kam - war nach dem Absturz ebenso wie zerfetzte Reifenreste neben der Piste entdeckt worden.

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