Entscheidung morgen offiziell
Eon-Megafusion offenbar perfekt

Die Übernahme des Ruhrgas-Konzerns durch den Energieversorger Eon wird nach Angaben aus Kreisen der rot-grünen Regierungskoalition in Berlin per Ministererlaubnis genehmigt. Damit entstünde nach Einschätzung der Kartellbehörden gegen deren Willen ein dominierender Energieversorger in Deutschland.

rtr BERLIN. Die Erlaubnis zur Übernahme durch Wirtschaftsstaatsekretär Alfred Tacke werde aber unter Auflagen erteilt, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus den Kreisen. Die Konzerne sollten sich von Beteiligungen an der Leipziger Verbundnetz-Gas (VNG) trennen. Es sei aber möglich, dass dies nicht vollständig geschehen müsse, hieß es in den Kreisen. Dagegen sollen die Anteile an begehrten Versorger-Holding Thüga unangetastet bleiben. Eon werde sich aber verpflichten müssen, das Gas-Leitungsnetz weiter zu öffnen. Außerdem solle es Erleichterungen für Konkurrenten bei der Gas-Einfuhr geben.

Das Bundeskartellamt hatte die Fusion Eon/Ruhrgas untersagt. Daraufhin hatte Eon eine "Ministererlaubnis" beantragt, mit der in Fällen von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung ein Kartellamtsverbot außer Kraft gesetzt werden kann. Zuletzt war dies vor zwölf Jahren geschehen. Seine Entscheidung will das Wirtschaftsministerium am Freitag bekannt geben. Einen Sprecher wollte keinen Kommentar zum möglichen Ausgang der Entscheidung abgeben. Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hatte die Entscheidung an seinen Staatssekretär delegiert. Zuvor hatte es Vorwürfe gegeben, Müller sei als früherer Manager des Eon-Vorgängers Veba in der Sache befangen. Müller steht außerdem auf der Pensionsliste von Eon.

Gas gewinnt in Deutschland weiter an Bedeutung

Neben dem Bundeskartellamt hatte sich auch die unabhängige Monopolkommission gegen die Fusion gewandt. Eon hatte argumentiert, nur mit dem Zusammenschluss könne Ruhrgas im europäischen Maßstab konkurrenzfähig bleiben. Eon-Konkurrenten fürchten dagegen vor allem eine Dominanz des Konzerns beim Gas-Einkauf. Deutschland ist zu mehr als 80 % auf Gas-Importe angewiesen. Der Brennstoff gewinnt seit Jahren an Bedeutung für die Energieversorgung, weil er im im Vergleich zur Kohle als relativ umweltfreundlich gilt und Atomkraft nach dem Beschluss der Bundesregierung als Alternative ausfallen soll. Verbraucherschützer fürchten, dass die Fusion zu Preiserhöhungen beim Gas führen wird.

Eon hat Kaufverträge für Ruhrgasanteile abgeschlossen

Seit einem Jahr hat sich Eon nach und nach die Ruhrgas-Anteile von Thyssen-Krupp, Vodafone, RWE , Ruhrkohle[RUHR.UL] (Bergemann Gruppe) und BP (Gelsenberg) gesichert, jeweils vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen. Damit wäre Eon auf rund 60 % an Ruhrgas gekommen. Am Mittwochabend erklärte der Konzern überraschend, er habe auch mit den drei verbliebenen Anteilseignern Shell, ExxonMobil und Preussag (Schubert-Gruppe) die Übernahme ihrer Ruhrgas-Beteiligung für zusammen 4,1 Mrd. ? vereinbart und werde somit im Falle einer Ministererlaubnis in vollständigem Besitz der Ruhrgas sein.

Kreise: Eon darf Thüga behalten

Verbraucherschützer und Konkurrenten hatten im Falle einer Ministererlaubnis harte Auflagen gefordert. Vor allem war eine Trennung von Thüga gefordert worden, die als größte kommunale Versorgergruppe in Deutschland Minderheitsbeteiligungen an rund 130 Stadtwerken hält. Das Unternehmen beliefert etwa 2,6 Mill. Strom- und 3,5 Mill. Gas-Kunden. Konzerne wie EnBW hatten bereits Interesse an einem Kauf bekundet. Nach Informationen aus den Kreisen der Koalition kann E.ON jedoch seinen 62-Prozent-Anteil an dem Versorger behalten.

Anders sieht danach jedoch die Lage bei der Leipziger Verbundnetz-Gas (VNG) aus. Hier sollen sich Eon (fünf Prozent) und Ruhrgas (37 %) offenbar von Anteilen trennen. Die VNG hatte diese Möglichkeit als Existenz gefährdend bezeichnet. Ohne Ruhrgas habe man auf den Beschaffungsmärkten etwa in Russland einen schweren Stand. Der neue Konkurrent Eon/Ruhrgas werde die VNG dann in wenigen Jahren vom Markt fegen, hatte VNG-Vorstandschef Klaus-Ewald Holst gesagt.

Der Kurs der Eon-Aktie legte bis zum Nachmittag 2,1 % auf 58,70 ? und damit etwas stärker als der Gesamtmarkt zu.

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